Walalapo im Land der Dünen und funkelnden Sterne!

Walalapo im Land der Dünen und funkelnden Sterne!

Man kommt in Namibia an und hat das Gefühl, in Deutschland zu sein. Was sich aufgrund der Geschichte leicht erklärt. Wollte doch auch Deutschland im 19. Jahrhundert „seinen Platz an der Sonne“, wie es Reichskanzler Bernhard von Bülow 1897 bezeichnete. Gemeint waren Auslandskolonien, und weil man bereits an der Westseite des Kaps der Guten Hoffnung missionarisch tätig war und ein gewisser Adolf Lüderitz weite Teile des Landes um wenig Geld dem ansässigen Stamm der Namas abkaufte, wehte bald die deutsche Flagge über Deutsch-Südwestafrika. Und auch wenn diese Jahre und die folgenden bis zur endgültigen Unabhängigkeit – Namibia war bis 1990 ein Protektorat Südafrikas – das Land prägten, konnte kein Kolonialherr an der Großartigkeit dieses Landes etwas ändern. Wer immer die Erde erschaffen hat, in Namibia hat er ganz tief in die bunte Gefühlskiste gegriffen.

Sitzfleisch und Apfelkuchen

Nach einem rund zehnstündigen Flug setzt Air Namibia pünktlich in Windhoek am Hosea Kutako International Airport auf. Rund 240 Passagiere marschieren, von einem fröhlichen „Walalapo“ des alle 20 Meter positionierten Rampstaffs begrüßt – was einem herzlichen Hallo entspricht – Richtung Terminal. Die Einreiseformalitäten gehen rasch von-statten und wir werden von jenem Mann em-pfangen, der für die nächsten Tage unser Busfahrer, Reiseleiter, Daddy, Pastor, Psychologe und Mädchen für alles sein wird. Tutu Nakamhela wird uns mit seinem Bus über einige Teerpats (Asphaltstraßen) und sehr viele lange und ruppige Schotterstraßen durch Namibia fahren. In perfektem Deutsch, das Tutu neben Englisch, Afrikaans und seiner Stammessprache spricht. Wir legen die Gurten an, da ist man in Namibia ganz streng, und schnell wird klar, dass man Sitzfleisch braucht. Eigentlich kann man Namibia nur mit Bus oder PKW entdecken. Würde man fliegen, was mit dem Inlandsflugnetz von Air Namibia wunderbar geht, würde man von den bizarren Landschaftsformationen, den bunten Licht- und Farbenspielen, von Oryx, Springbock, Strauß und Wildpferden, den überaus gepflegten Raststationen – wir haben auf dieser Reise unzählige Toiletten kennengelernt, allesamt blitzsauber, hier kann sich die ASFINAG ein Stückerl abschneiden – und köstlichem Apfelkuchen – nicht viel mitbekommen.

Afrika, wie es sein soll

Rund fünf Stunden dauert es von Windhoek bis Swakopmund, ein wunderbares Frühstück im Hotel Heinitzburg mit Blick über die Hauptstadt bringt die notwendige Stärkung. Swakopmund ist für mich eine interessante Begegnung, denn die Stadt am Rande der Wüste hat mit ihrem kolonialen Stadtbild und Namen wie Bismarck Straße, Café Anton oder Schweizerhaus, wo Schwarzwälder Kirschtorte und Apfelstrudel serviert werden, mit meinen Afrikavorstellungen zumindest auf den ersten Blick nicht viel gemein. Spätes-tens jedoch nach der Begegnung mit Tommy, einem echten Wüstenfuchs, der uns das pralle Leben der Wüste – die Namib mag vielleicht die älteste Wüste der Welt sein, tot ist sie noch lange nicht – näher bringt, glaube ich zu wissen, worin die vielen Missverständnisse rund um dieses Zipfel Erde begründet sind. Hört man Afrika, denkt man hierzulande oft an sengende Hitze und gleißende Sonne, an dunkle Menschen mit geringer Bildung, von denen sich aktuell viele in Richtung gelobtes Land Europa aufmachen, um dort den Halunken oder Sozialschmarotzer zu geben. Man denkt an karge Landschaften, wenig Wasser und Armut. An Unrat auf den Straßen und an desaströse Hygienebedingungen. Man denkt natürlich an Safari, die „Big Five“ und Luxuslodges. All das gibt es, der Kontinent ist groß genug. Aber all das ist definitiv NICHT Afrika, all das ist definitiv NICHT Namibia! Namibia ist Afrika wie man sich’s schöner, romantischer, authentischer, lebendiger und ehrlicher nicht vorzustellen vermag.

Blick von „Big Daddy“

„Manchmal kuckt man in den Sand und der kuckt plötzlich zurück“, sagt Tommy und stellt uns mit Hornviper, Chamäleon, Palmatogecko, Tunnelspinne und Eidechse die „little big five“ der Wüste Namib vor. Wir Stadtparkamseln wären über all diese Lebewesen gestolpert, haben aber von Tommy die Wüste als spannende Lektüre – zumindest im Ansatz – lesen gelernt. Nicht minder spektakulär ist ein Blick nach oben, nachts, wenn tausende Sterne wie Äpfel fast zum Pflücken nahe sind und die Milchstraße sich wie eine flauschige Decke über einen legt. Was jetzt vielleicht rührselig klingt, ist eigentlich nicht in Worte zu fassen. Im nächtlichen Sternenlicht zeichnen sich im Namib Naukluft Park – mit 50.000 km2 Afrikas größtes Naturschutzgebiet – die mächtigen Bergzüge schemenhaft ab und werden von zigtausenden Sternen beleuchtet. Schlafen unter freiem Himmel in der Namib Dune Star Lodge Gondwana Collec-tion ist ein Erlebnis der besonderen Art, das nicht zu toppen ist. Glaubt man, aber in Namibia scheint ein Höhepunkt den anderen zu übertrumpfen. Wir fahren ins Herz der Namib, um Dünen im Sossusvlei zu sehen und schon das Farbenspiel, das uns von ockergelb bis flamingorosa durch die Bus-Frontscheibe entgegenblinzelt, macht sprachlos. Von der Größe reden wir nicht, denn diese Dünen sind vom Wind gebaute mächtige Gebilde, die bis zu 320 Meter hoch in den Himmel zu schweben scheinen und auf denen wir Menschen uns wie Mini-Ameisen ausmachen. Besteigen der Dünen, etwa der„Big Daddy“, ist, die nötige Kondition vorausgesetzt, möglich und wird mit einem fantastischen Blick über die Dünenwelt, übers Dead Vlei – eine von Dünen umschlossene Ton-Pfanne mit unzähligen abgestorbenen, vertrockneten Akazienbäumen – belohnt.

Keine Diamanten im Sperrgebiet

Mit unserem zweiten Zuhause fahren wir weiter Richtung Lüderitz, besichtigen mit dem Fish River Canyon noch ein weiteres Naturmonument von gigantischem Ausmaß, und kommen im „Sperrgebiet“ an. In Kolmanskuppe, dem „verbotenen Diamantenland“. Ein Relikt aus längst vergangenen Tagen, als hier im Sand Diamanten wie Kieselsteine herumlagen und um 1908 aus deutscher Hand die Diamanten-Schürfstadt Kolmanskuppe mit Krankenhaus, Schule, Kegelbahn, Bäckerei und Fleischerei mit eigener Kühlung entstand. Der Diamantenrausch ist längst vorbei und Kolmanskuppe eine Geisterstadt, die von der Wüste verschluckt wird. Was uns jetzt noch fehlt, sind Tierbeobachtungen. Wir wechseln die Wüste, fahren in die Kalahari, wo wir in der Kalahari Anib Lodge nicht nur unsere letzte Nacht in Namibia verbringen, sondern mit einer Fahrt in den Sonnenuntergang unzähligen Giraffen und Zebras nahekommen. Wir trinken einen letzten Gin & Tonic im Abendrot und verabschieden uns von diesem fantastischen Land.

Mein Resümee

Hat man dann das Glück, von einem Reise-leiter durchs Land chauffiert zu werden, der um die Ressentiments zwischen Weiß und Schwarz, die -Diskrepanzen der verschiedenen Stämme und den Hinterlassenschaften der fremden Kolonialherrschaft, die kamen, um die vermeintlich ungebildeten und unzivilisierten Einheimischen zu bekehren – wozu, erschließt sich dem einfach denkenden Geist nicht – und natürlich, um die Probleme aus jüngster Vergangenheit und Gegenwart, im besten Sinne Bescheid weiß, passiert wohl vielen genau das, was mir, die ich nunmehr knapp 20 Jahren von Berufs wegen durch die Welt reise, das erste Mal passierte: Man verabschiedet sich mit Tränen in den Augen und dem sicheren Versprechen, bald wieder kommen zu müssen.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem traveller No. 12 | 2018
Autor: Brigitte Charwat

Wichtige Information

DERTOUR bietet ein umfangreiches Angebot für Nambia, im AFRIKA Winterkatalog 2017/2018 finden sich auf den Seite 138 und 146 zwei Rundreisen ab/an Windhoek, die dem Reiseverlauf zur Geschichte entsprechen. Preise ab 1.074 bzw. 1.425 Euro p. P.
Air Namibia (SW) fliegt täglich (Nachtflug) mit einem Airbus A330-200 ab Frankfurt nach
Windhoek. Die Ticketpreise ab Österreich beinhalten die Zubringerflügel ab allen österreichischen Flughäfen. Ab Windhoek bedient SW Kapstadt, Johannesburg, Durban, Luanda, Gaborone, Victoria Falls & Harare und Lusaka sowie innerhalb Namibias Walvis Bay, Lüderitz, Oranjemund, Ondangwa, Rundu und Katima Mulilo.
Air Namibia c/o AVIAREPS
E-Mail: airnamibiaaustria@aviareps.com

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