Äthiopische Menschen und Monumente

Äthiopische Menschen und Monumente

Wo beginne ich, wenn die Eindrücke so nachhaltig sind. Am besten ich beginne mit dem Anfang – dem sechsstündigen Nonstopflug von Ethiopian Airlines nach Addis Abeba. Mitternächtliches Menü vertrage ich nicht, Frühstück ist nicht vorgesehen, ich ersuche die Flugbegleiterin mich zu wecken, wegen Kaffees – ohne große Hoffnung lege ich mich nieder. Pünktlich weckt mich die junge Frau, bittet mich in die Pantry und serviert Kaffee und Sandwich. Danke noch im Nachhinein.

On the road

Sofort nach Ankunft geht es mit einer Embraer-Turboprop eine Stunde nach Bahir Dar – wichtig: Die Security lässt immer die Schuhe ausziehen, nimmt regelmäßig Feuerzeuge ab, Wasserflaschen sind ihnen egal. Die Zeitreise zum Tana-See beginnt. Die holperige Straße geht unmittelbar in die Dörfer über oder in die Felder – es ist grün, Ende Mai ist die Regenzeit vorüber, der Sommer kommt. Es wird allerdings hier auf 2.500 Meter nie drückend heiß. Dürre und Hungersnot sind tiefer im Süden das Thema, das wir automatisch mit Äthiopien verbinden. Im abessinischen Hochland haben die Menschen das Nötigste zum Überleben, sie sind groß, schlank und haben feingeschnittene Gesichter.

Die Geburtenrate ist mit mehr als fünf Prozent hoch, die Kinder sind überall.

Hier pflügt der Bauer sein Feld, bückt sich über einen Pflug aus Holzstangen hinter seinen mageren Ochsen. Hier gehen die Frauen mit Kanistern am Kopf kilometerweite Wege zum Brunnen. Sie legen, in weiße Tücher gehüllt, weite Wegstrecken zur Kirche zurück, denn quasi immer ist Messe und die dauert stundenlang.
Ich habe während der langen Zeit „on the road“ kein Rad, geschweige denn ein Moped gesehen. Hier hüten Kinder mit langen Peitschen dünne Schafe und Ziegen. Hier trotten Eseln und Mulis schwer beladen mutterseelenallein über die Straße. Hier sehe ich ihre Häuser, aus Baumstämmen zusammengefügt mit Lehm verschmiert mit Wellblech gedeckt. Manche nicht größer als meine Terrasse daheim, aber für vielköpfige Familien, daneben der Stall. Die Geburtenrate ist mit mehr als fünf Prozent hoch, die Kinder sind überall. Diese Kinder prägen einen Aufenthalt im Land nachhaltig. Sie stehen einfach da, oft mit handgefertigten Flechtarbeiten aus Stroh oder ähnlichen Dingen, die sollte man ihnen abkaufen, sie betteln nicht, sie sind nicht aggressiv, sie sind allgegenwärtig. Ich bemerke, dass viele Kleidung tragen, die aus Europa kommen muss. Also wieder alte Kleider in die Humana-Tonne werfen – sie kommen doch an ihr Ziel, irgendwo in Afrika.

Mord und Totschlag

Durch den Tana-See fließt der Blaue Nil, im Tana-See sind viele Inseln und darauf viele Klöster. Ich sehe schmale kleine Papyrus-Boote, die noch immer zum Fischfang verwendet werden. Man wähnt sich im alten Ägypten. Ich wandere über steinige Pfade zu den Kirchen. Ein Rundbau aus einem Lehm-Strohgemisch, innen das quadratische Heiligtum aus selbigem Material, die Wände sind bedeckt mit bunten Malereien, die ältesten aus dem vierzehntem Jahrhundert. Sie erklären den leseunkundigen Gläubigen das Alte und das Neue Testament und erzählen Mythen über Mord und Totschlag, es geht jedenfalls recht blutig zu. Alle Kirchen sind mit – sagen wir nicht ganz hygienisch anmutenden Teppichen ausgelegt – die Schuhe müssen überall ausgezogen werden, also unbedingt Schutzsocken mitnehmen.
Daneben die Schule, die Kids sitzen in einfachsten Hütten und haben zuwenig Schreibmaterial. Wer immer nach Äthiopien reist, sollte Hefte und Kugelschreiber mitnehmen. Offiziell ist Schulpflicht, inoffiziell sieht das anders aus. Die 45jährige Mutter unseres gut ausgebildeten Guides ist Analphabetin.

Affen und Menschen

Das Naturschutzgebiet Simien-Berge wird auch von Österreich unterstützt. Wunderschöne, einsame Natur, ein paar Lodges, Trails zum Wandern und 15.000 Bergpaviane. Sie hocken in großen Gruppen, rupfen das frische Gras, lausen einander, tun etwas für den Nachwuchs, dieser wieder tollt wild herum und über allem wachen die langmähnigen, gutaussehenden, forschen Männchen. Ich war noch nie so nahe an wildlebenden, völlig unaggressiven Affen. Der Ranger steht spektakulär mit dem Gewehr auf den Schultern, aber eher nutzlos in unserer Nähe.
Ich atme frische Bergluft und fühle mich wohl. Ein Wort dazu: Impfungen sind nicht verpflichtend, ich habe mich also nicht impfen lassen, aber viele Hygiene-Tücher benutzt. Das Essen in den Mittelklasse-Hotels und den Restaurants ist völlig ausreichend. Ich bin gesund und wohlbehalten wieder zurückgekommen.

Archaische Augenblicke

Am dritten Tag bin ich dort, wo eines der größten Wunder der Menschheit auf mich wartet – die Felsenkirchen. Um das Jahr 1200 hatte Kaiser Lalibelo eine Eingebung von ganz oben. Er bemühte also Gott, die Engel und wohl zehntausende Arbeiter und ließ elf Kirchen in die Berge aus Lavagestein meißeln – wohlgemerkt in die Felsen. Das dauerte 23 Jahre. Diese monolithischen bis zu zehn Meter hohen Bauwerke gehören zum eindrucksvollsten, was Menschhand geschaffen hat. Das finstere höhlenartige Innere ist magisch und bedrückend zugleich. Noch immer werden hier Messen abgehalten, noch immer Ziel vieler Pilgerfahrten, jedenfalls ein Pflichtprogramm für jeden Kunstinteressierten. Wäre ich ein spiritueller Mensch, würde ich von Kraftplätzen sprechen, sicher aber Kräfte raubend. Der Zugang ist mühsam und geht über rutschige Stufen, durch enge Tunnels und schmale Steige. Eine „Schuh-Aufpasserin“ ist bei der elfmaligen „Schuhe aus – Schuhe an“ Prozedur dabei und auch sonst behilflich.

Erstaunen und Elend

Zurück in Addis Abeba und jetzt tue ich mir schwer. Die Hauptstadt erlebt gerade einen Bauboom, die Innenstadtviertel sind erstaunlich sauber, das Museum mit den Knochen von „Lucy“ – unsere 3,2 Millionen Jahre alte Vorfahrin – ist eher dürftig, aber wir sind in einer afrikanischen Millionenstadt. Und hier wird die Armut sehr schnell zum Elend und das sieht man am deutlichsten am Merkato, dem größten Freiluftmarkt. Er ist bedrückend und Angst machend. Eine Hochzeit, zu der wir zufällig eingeladen sind, zeigt den Mittelstand und seltsame Bräuche. Statt der Torte schneidet das Brautpaar gemeinsam ein Stück rohes Fleisch von einer fettigen Rinderseite und isst es. Womit ich beim Essen wäre. Das traditionelle Gericht besteht aus verschiedenen scharf gewürzten Hülsenfrüchten, dazu ebenso scharf gewürzte Fleischeintöpfe, serviert mit „Injera“ – dem weichen, Fladenbrot, das aussieht wie eine gefaltete Stoffserviette und unangenehm sauer schmeckt – gewöhnungsbedürftig.
Susanne Mitterbauer

Wichtige Information

Ethiopian Airlines, die größte und eine der am schnellsten wachsenden Fluggesellschaften Afrikas, begann ihren ersten Liniendienst 1946 von Addis Abeba nach Kairo. Heute bedient die Airline über 100 Destinationen rund um den Globus. Äthiopiens nationale Fluggesellschaft hat eine der modernsten Flotten Afrikas und ist Mitglied der Star Alliance. Ethiopian Airlines ist die erste afrikanische Fluggesellschaft, die Maschinen vom Typ Boeing 787 Dreamliner und des Airbus A350 einsetzt. Ab Frankfurt fliegt Ethiopian Airlines täglich & ab Wien 4x wöchentlich nonstop über Nacht nach Addis Abeba und von dort weiter zu über 60 Zielen auf dem afrikanischen Kontinent.
Passagiere von Ethiopian Airlines freuen sich über eine großzügige Freigepäcksmenge von zweimal 23kg Freigepäck in der Economy Class sowie über ein weltweites Netzwerk innerhalb der Star Alliance. Zu den neuersten Zielen ab Addis Abeba zählen Victoria Falls in Simbabwe, Antananarivo in Madagaskar sowie die Komoren.

Weitere Auskünfte erhalten Sie bei:
Aviareps Ges.m.b.H, c/o Ethiopian Airlines
Untere Donaustraße 11/3.OG; 1020 Wien
reservationsET.austria@aviareps.com
Telefon: +43 (0)1 585 36 30 30

Über GASTBRUNO Susanne Mitterbauer

Als junges Mädchen arbeitete ich 12 Jahre lang als Groundhostesse am Flughafen Wien. Anschließend viele Jahre als Hausfrau und Mutter, bis mir das langweilig wurde. Eine gute Fügung brachte mich zum Wirtschaftsverlag. Dort habe ich Pressekonferenzen besucht, Hotels und Gaststätten kennengelernt, meine erste berufliche Reise war, glaube ich, nach Wulkaprodersdorf. Dann war ich sehr viele Jahre für verschiedenste Publikationen in Sachen Touristik, Gastronomie und Hotellerie unterwegs. Ich habe ein Stadtmagazin geleitet, ich war Gourmet-Testerin, Wein-Verkosterin, mystery-guest in Hotels und langsam aber sicher wurde die Touristik ein Fixpunkt. 1990 rief mich der „Standard“ in seine neue Reiseredaktion, die ich quasi miterfunden und vor allem mitgestaltet habe, dort blieb ich dann mehr als 10 Jahre. Aus dieser Zeit weiß ich, wie man Geschichten erzählt. Ich bin immer begeistert, wenn ich meine Reportagen hautnahe und sehr persönlich gestalten darf. Die Fakten stehen ja in jedem Reiseführer, bei unbekannten Blogs fehlt mir das Naheverhältnis. Ich weiß was eine Leser-Blatt-Bindung bedeutet, es bedeutet in diesem Fall Vertrauen in BRUNO. Heute bin ich – charmant ausgedrückt – die „Doyenne“ in der Branche, also eine der ältesten Aktiven. Was ich noch mitbringe ist ein reicher Erfahrungsschatz, eine Kenntnis der großen weiten Welt, einen guten Instinkt für Absurditäten, ein geschultes Feeling, was Urlaub ausmacht und wie man ihn bestmöglich verbringt.

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