Die Kraft der Bretagne

Die Kraft der Bretagne

Gemeinsam mit meiner allerbesten Freundin, die zwar führerscheinlos, weil leidenschaftliche Beifahrerin, dafür aber nahezu perfekt französisch spricht und wie sie stets betont, mit absolut verlässlichem Orientierungssinn ausgestattet - ob im tiefsten Urwald oder im fremden Großstadtdschungel, mich kannst egal wo auf der Welt und zu jeder Uhrzeit im Kreis drehen, ich finde immer heim, so ihre kecke Ansage – alles in allem die besten Voraussetzungen für unsere „Tournée de filles“ durch Frankreich, machen wir uns also auf den Weg, um die Bretagne zu entdecken.

Wir werden auf der Fahrt, wie das Mädels halt so tun, viel tratschen, und wir werden sehr spontan sein. Weil wir und nicht ein Guide das Tempo bestimmen. Genau das ist, was eine Urlaubsreise mit dem Mietwagen besonders und speziell macht. Man mietet quasi mit dem Auto Freiheit, Spontaneität und sehr viel Individualität mit und ist stets sein eigener Herr, in unserem Fall Frau. Man ist zeitlich flexibel und örtlich ungebunden und muss sich an keine fixen Abfahrtszeiten und Treffpunkte halten. Gefällt’s an einem Platz besonders gut, ist man mit Shoppen oder Essen noch nicht „fertig“, oder möchte einfach noch ein wenig „rumhängen“, bleibt man einfach ein bisserl länger an dem einen oder anderen Ort. Frei nach dem Motto: „Ce que vous voulez“, tun, was man will und genau das haben wir auf unserer Reise durch die Bretagne getan.
Und wir werden es bald wieder tun, denn der nächste Mädels-Roadtrip mit einem Car von Sunny Cars ist bereits in Planung. Dabei werden Bikerboots die Hauptrolle spielen und die Route bestimmen. Doch das ist die nächste Geschichte!

Bonjour Paris

Fährt man durch Frankreich, muss man einen „Franzosen“ fahren. Das stand für uns, besser für mich, die ich den fahrenden Part dieser Reise übernehme, von Anfang an außer Frage. Also haben wir uns für einen Peugeot 2008 SUV entschieden, der in Paris Charles de Gaulle Airport vollbetankt und blitzblank geputzt auf uns wartet und den wir „Pierre“ taufen. Mit dem rotweißroten AUA-Jet kommend, landen wir nach knapp zwei Stunden Flugzeit in Paris CDG, die Übernahme an der Airport-Mietwagenstation erfolgt prompt, unkompliziert und freundlich und so befinden wir uns rasch mitten drinnen im vormittäglichen Pariser Stoßverkehr. „Eh nicht viel anders als bei uns auf der Wiener Südosttangente“, sage ich, Antwort von nebenan kommt keine. Denn meine allerbeste Freundin tut das, was sie immer tut, sobald sie in einem Auto sitzt. Sie schläft, und bekommt vom Stau und meinem anfänglichen „Orientierungsstress“ nichts mit. Mir ist’s egal, ich kenne die Schlafmütze am Beifahrersitz schon sehr lange, und habe im mitgelieferten wachen Navi sowieso einen super Assistenten dabei. Denn der eingangs beste und verlässliche Orientierungssinn meiner Freundin mag stimmen, nur halt nicht im Auto! Und so lotst mich „Mrs. Navi“ zu unserem Pariser Stadthotel, in dem wir zwei Nächte und somit drei volle Tage in dieser tollen Stadt verbringen werden.

Mein letzter Paris-Besuch liegt rund 20 Jahre zurück, seither hat sich die für viele schönste Stadt der Welt verändert und auch wieder nicht. Der Eiffelturm grüßt noch immer von den Champs de Mars und ich fahre noch immer nicht hinauf auf eine der drei Aussichtsplattformen. Weil mein Feind noch immer Höhenangst heißt, also gibt es weder einen Coffee to go aus dem Selbstbedienungsrestaurant „58 Tour Eiffel“, mit Blick durch den Glasboden nach unten, leider auch kein Haubenmenü aus dem Gourmettempel „Jules Vernes“, der sich eine Etage darüber befindet und auch die Champagner-Bar und der Blick von der Turmspitze über Paris, bleiben mir einmal mehr unerschlossen. Notre Dame an der Seine-Insel Île de la Cité gelegen, sticht mit ihren beiden majestätischen Türmen unverändert ins Auge, ebenso wie die Basilika Sacré-Coeur in leuchtendem Weiß noch immer am Montmarter-Hügel thront, und sich dem Besucher ein grandioser Weitblick auf die französische Hauptstadt eröffnet. „Höhenangst-Befreiten“ steht auch die 55 Meter hohe Kuppel für noch bessere Aussicht zur Verfügung. Nichts für mich, auch meine Freundin lässt diese Kletterpartie aus, wir bummeln lieber durch das Künstler- und Studentenviertel am Quartier Latin und machen es wie die Franzosen in einem typischen Pariser Café: Wir widmen uns dem Savoir-vivre, schlendern über die Champs-Elysées, Arc de Triomphe inklusive. Und stellen uns dann die Gewissensfrage: Kultur oder Kultur, also Museum oder Shopping, denn Shoppen in Paris ist Kultur. Zumindest in unserem Verständnis. Gewonnen haben nicht der Louvre, das Musée d’Orsay oder Centre Pompidou, wir „bilden“ uns modetechnisch weiter. Atmen in den noblen Boutiquen mit großen Namen den Duft von Haute-couture, stillen unseren Einkaufs-Appetit dann im Kleineren in Concept-Stores und beenden unser Pariser Sightseeing schließlich in der Metropole in der Metropole, im Carré Haussmann-Saint-Lazare-Opéra. Mit den Galeries Lafayette, Lafayette Gourmet und Printemps Haussmann, wo sich von Alexander McQueen, Prada, Louis Vuitton bis Red Valentino ein Lable ans nächste reiht. Und dass wir hier die japanische Modemarke Uniqlo finden, freut uns am meisten und erleichtert unsere Börsen entsprechend.
Nun ist es aber höchste Zeit für „Pierre“, denn die Bretagne, das Land des Meeres und der Legenden, ruft schon ganz laut.

Von Argoat bis Armor

So lauten die alten bretonischen Bezeichnungen für bewaldetes Land und Meer, und beschreiben diese mystisch-faszinierende Landschaft treffend. 2.700 Kilometer Küste – damit der längste Küstenabschnitt Frankreichs – mächtige Klippen, tiefe Buchteinschnitte und zahlreiche Strände prägen das Landschaftsbild. Die Bretagne ist Meer und Erde und Erde und Meer, das fühlt, riecht und schmeckt man. Unser erstes Ziel ist Saint Malo, die alte Korsaren-Stadt mit entzückender Altstadt, die auf eine Gallo-Römische Siedlung namens Aleth zurückgeht und durch ihre strategische Lage lange vor Eindringlingen begünstigt war. Bis dann irgendwann im 12. Jhdt. die Normannen Gusto auf das vom walisischen Mönch Machutus – was dann zu Malo wurde – missionierte Örtchen bekamen und man sich mit dem Bau einer mächtigen Wehrmauer – auf Teilen dieser gut erhaltenen Stadtbefestigung spazieren wir abends gemütlich entlang – zu schützen begann. Und die Malouins, die Einwohner der Stadt, sind bis heute ein selbstbewusstes Völkchen. Was wohl viel damit zu tun hat, dass von hier die verruchten Korsaren mit ihren schnellen und wendigen Schiffen auf Beutezug gingen und dabei – wie der berühmte Robert „Renard“ Surcouf, überaus erfolgreich waren. Das hat ein wenig von „Fluch der Karibik“, und wenn jetzt noch der coole Captain Jack Sparrow ums Eck biegen würde … Nun, der passt da jetzt nicht wirklich ins Bild, dafür aber Krampouezhenn, so der alte bretonische Name der unter Galette au Blé noir allerorts bekannten dunklen Buchweizenpfannkuchen, denen wir uns pikant als Galette Complète mit geriebenem Emmentaler, Kochschinken und Spiegelei als auch in süßer Ausprägung mit einer Eier-Milch-Honig-Mischung widmen. Wir trinken Chouchen, ein Cidre auf Honigbasis und hören auf, Kalorien zu zählen. Weil die traditionellen bretonischen Gerichte zwar für unser Ohr seltsam klingen, aber Kig Ha Farz (Fleischeintopf), Far Breton (Kuchen) oder Kougin-Amann (geschichteter Butterkuchen) grandios schmecken.

Auf Merlin’s Spuren

Von Saint-Malo an der Smaragdküste, über die Rosa Granitküste und Halbinsel Crozon bis hin zum Golf von Morbihan führt der alte Zöllner-Pfad durch mystisch anmutende Landschaften. Einfach nur geil, mehr fällt uns dazu nicht ein.

Tipp: Besonders im Frühling und Sommer, wenn sich Stechginster und Heidekraut mit der würzigen Seeluft mischen, und die 800 kleinen und großen vorgelagerten Inseln die Kulisse bilden, wird eine Wanderung auf dem „Sentier des Douaniers“ zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Aber eigentlich ist die ganze Bretagne ein einziges unvergessliches Erlebnis: Ile de Groix, Ile de Bréhat, der Archipel des Glénan, die Ile d’Ouessant oder Belle-Ile en Mer mit flachen Sandstränden, steilen Felsküsten und imposanten Leuchttürmen. Papageientaucher, Möwen oder Basstölpel, die auf Sept-Iles, Ile aux Moines oder am Cap Fréhel ungestört ihren Nachwuchs aufziehen und Kegelrobben leben. Wo schon Paul Gauguin und andere berühmte Maler ihre Staffeleien aufstellten und die bunte Farbenpracht in ihren Gemälden verewigten und der eine oder andere sich im malerischen Pont-Aven niederließ. Im örtlichen Musée des Beaux Arts sind so manche Meisterwerke zu bewundern. Wir durchwandern den Wald von Brocéliande, definitiv ein Kraftplatz, denn – weil’s wir’s wissen oder weil’s wirklich so ist? – wir bewegen uns auf jenem Boden, auf dem sich dereinst auch der Zauberer Merlin, die Fee Viviane und König Arthur bewegten.

Der Beginn einer neuen Liebe

Und dann liegt Mont-Saint-Michel vor uns. Ein „Grenzgänger“, denn die weltberühmte Abtei befindet sich, wenn auch nur vier Kilometer von Bretagniens Grenze entfernt, bereits in der Normandie. Was am Zauber, des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Kloster aber nichts ändert. Alleine ist man hier nicht, das sehen wir gleich an den wie an einer Perlenkette aufgereihten parkenden Busse. Da haben wir’s mit unserem „Pierre“ tausendmal besser. Weil wir nicht warten müssen, bis alle Mitreisenden raus aus dem bzw. wieder drinnen sind im Bus. Wo dringende menschliche Bedürfnisse als kollektive „Pipi-Pausen“ in Raststationen erledigt werden und gastronomische Höhenflüge sich zwangsläufig auf Fastfood-Abfertigungen beschränken müssen.
Wir rollen gemächlich in Richtung Concarneau weiter, deren innerhalb massiver Mauern gelegene Altstadt, die „Ville Close“, fast rundum von Wasser umgeben ist, verbringen hier und auf der Ille de Glenan noch ein paar wundervolle, fast schon karibische Tage am Meer, und tauchen dann in Brest wieder ins urbane Großstadtleben ein. Heute eine sehr lebendige Universitätsstadt, war Brest im 2. Weltkrieg in der Schlacht um die Bretagne mit 43 Tagen der von den Alliierten am längsten belagerter Ort. Von hier aus unternehmen wir Ausflüge ans Meer und verlieben uns mehr und mehr in die bretonische Küstenlandschaft. Mit schroffen Klippen und romantischen Stränden, verwunschenen Wäldern und verschlafenen Dörfern, gelebten Traditionen und altem Brauchtum, gastfreundlichen Menschen und fantastischem Essen.
Ach ja: Meine Freundin hielt was sie anfangs versprach und ist die beste Beifahrerin der Welt. Die während der ganzen Tour gänzlich auf das Schlafen im Auto vergaß. Weil’s einfach viel zu schön war. Wir werden wieder kommen, mit „Pierre“, ganz klar!

Tipps & Tricks rund um den Mietwagen

Es lohnt auf jeden Fall, den Mietwagen vorab in Österreich zu buchen und auf den richtigen Versicherungsschutz zu achten. So steht im Schadensfall ein deutschsprachiger Ansprechpartner zur Verfügung und die Urlaubskasse wird auch im Nachhinein nicht belastet.

Wichtige Informationen

Wir sind in zehn Tagen rund 1.000 Kilometer gefahren, haben in vier Hotels übernachtet. Den Mietwagen, bestens organisiert von Sunny Cars, haben wir in Paris am Flughafen Charles-de-Gaulles übernommen am Bahnhof in Rennes retourniert.

Reiseroute:

Mautgebühren:
Rund 30 Euro für die Strecke Paris – Rennes. Innerhalb der Bretagne fährt man über gebührenfreie Landstraßen.

Nützliche Links:
at.france.fr
www.sunnycars.de
www.austrian.com

Buchtipp
Bretonische Verhältnisse: Ein Fall für Kommissar Dupin von Jean-Luc Bannalec  
Der sympathische Kommissar Dupin, aus Paris in die Bretagne versetzt, löst in sechs Büchern spannende Kriminalfälle auf charmante Art und führt den Leser nach und nach in die bretonischen Lebensverhältnisse ein.

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