FLANDERN

FLANDERN

Die flämischen Meister, allen voran Peter Paul Rubens, mischen derzeit Flandern auf. Das Kulturfestival „Anwerpen Barock 2018. Rubens inspiriert“ lässt die Ikone Antwerpens hochleben und entführt die Besucher mit vielen Ausstellungen und Festen in barocke Welten, die sich bis ins Heute ziehen. Und in Wien ist Pieter Bruegel anlässlich seines sich 2019 zum 450. Mal jährenden Todestages gerade der Star des Kunsthistorischen Museums. Was haben ein dunkelgrünes Kleid aus toten Mistkäfern gefertigt, und was bitte haben lebensgroße ausgestopfte Pferde oder ein riesiges Gemälde mit einem unappetitlichen Burger mit Barock zu tun? Das hab ich mich anfangs gefragt, als ich das Museum für zeitgenössische Kunst (M HKA) in Antwerpen betreten habe. Bis mich Nathan, der Guide, durch die Ausstellung „Sanguine Bloedrood“ führte und mich eines Besseren belehrte. Barock ist nicht nur ein Kunststil des 17. Jahrhunderts, das Üppige, das Farbenfrohe, die Aufbruchsstimmung aber auch der Tod finden sich auch im 21. Jahrhundert wieder. Der belgische Maler Luc Tuymans hat die außergewöhnliche Ausstellung im 
M HKA auf beeindruckende Weise kuratiert und er lässt die alten Meister mit zeitgenössischer Kunst verschmelzen. Sehr sehenswert!


Schatzkammer Antwerpen

Werke von Peter Paul Rubens werden natürlich auch im M HKA gezeigt, richtig eintauchen in seine ganz private Welt kann man aber im Rubenshaus, in dem er lebte und seine Meisterwerke schuf. Das Haus im Stil der italienischen Renaissance erbaut, ist heute ein Museum und steht im Zentrum Antwerpens. Ein historisches Kulturerbe nach dem anderen entdeckt man beim Stadtspaziergang durch diese pulsierende City – fünf Kirchen im Herzen der Stadt sind wahre Schatzkammern barocker Kunst. In der St. Pauluskirche durfte ich zum ersten Mal ein Rubens-Original bewundern, das laut Fremdenführerin Ariane einen Wert von etwa 80 Millionen Euro hat. Abseits der flämischen Künstler lädt Antwerpen zum Shoppen und Genießen ein, ist sie doch auch die Stadt der Designer und Diamanten. Und sie ist nach New York und Amsterdam die Stadt mit den meisten Nationalitäten, Menschen aus 147 Ländern machen die Metropole zu einem weltoffenen und bunten Hotspot Belgiens. Ein Treffpunkt für Jung und Alt ist das Museum am Strom geworden, kurz MAS genannt, am Fluss Schelde gelegen, ein moderner Turmbau im schicken Hafenviertel Eilandje. Der Turm beherbergt eine Weltpremiere. Die Bilder der in Vergessenheit geratenen extrem talentierten Barockmalerin Michaelina Wautier. Durch Zufall wurde vor etwa erst 20 Jahren ein Bild von ihr in Wien entdeckt, von ihrem Leben weiß man so gut wie nichts, nur dass sie sich mit ihrem ebenfalls malenden Bruder um 1640 in Brüssel niedergelassen hat. Die Kunsthistoriker sind immer noch auf der Suche nach Anhaltspunkten, nach Familienmitgliedern, nach Bildern, um mehr über Michaelina zu erfahren.


Powerfrau aus Österreich

Eine Powerfrau, die etwas früher als Michaelina lebte, nämlich im 15./16. Jahrhundert, aber ebenfalls Geschichte in Belgien schrieb, ist Margarete von Österreich. Sie war die Tochter des Habsburgers Erzherzogs Maximillian I. und seiner Frau Maria von Burgund. Unsere Stadtführerin hat sich mit interessanten Geschichten über sie richtig überschlagen. Besonders in Erinnerung ist mir, dass Margarete mit 21 Jahren bereits dreifache Witwe war und ihre erste Ehe schon mit drei Jahren geschlossen wurde, mit dem damaligen 13jährigen Dauphin Karl, König von Frankreich. Reine Heiratspolitik, für die Margaretes Vater Maximillian I. ja bekannt war: „Bella gerant alii, tu felix Austria nube“ – „Kriege führen mögen andere, du, glückliches Österreich, heirate!“.
Heute erinnert eine große Statue von Margarete von Österreich im Zentrum von Mechelen an die mächtige Frau und seit Juni ist ihr und dem burgundischen Erbe eine Dauerausstellung im wunderschönen Stadtpalais Hof van Busleyden gewidmet.


Musterbeispiel für Integration

Die ehemalige Heimatstadt von Margarete von Österreich, Mechelen, ist eine kleine ruhige und beschauliche Stadt, obwohl auch hier viele Nationalitäten leben und viele Sprachen gesprochen werden. Das gute Zusammenleben war nicht immer so, jetzt ist Mechelen Vorbild. Denn Bürgermeister Bart Somers ist gelungen, nicht nur die Stadt zu beleben, zu kultivieren und attraktiv zu machen, er hat Mechelen zu einem Musterbeispiel für Integration gemacht – wofür er auch mit dem „World Mayor Prize 2016“ für den besten Bürgermeister der Welt ausgezeichnet wurde. Schokolade fürs Naserl
Wenn ich Mechelen oder Antwerpen einen Preis verleihen müsste, wäre es eindeutig der „Genuss pur Award“. Denn Essen und Trinken stehen bei den Belgiern ganz oben. Naschkatzen auf der ganzen Welt lieben belgische Schokolade. Internationale Bekanntheit hat auch Dominique Persoone erreicht, DER „Shock-O-Latier“ aus Brügge, der in der Haupteinkaufsstrasse Meir in Antwerpen seine außergewöhnlichen Kreationen anbietet. „Ich bin eigentlich Koch, habe aber eine Liebe zu Schokolade. Und so wollte ich Schokolade auch zu etwas ganz Besonderem machen“, erklärt Dominique im Interview am Flug nach Brüssel. Und das ist ihm auch gelungen. Neben herrlichen Pralinen in allen Variationen, Schokoriegel, Kakaopulver und anderen kreativen Köstlichkeiten ist das Highlight im Shop der „Chocolate-Shooter“. Dieses Schokoladenpulver schnupft man durch die Nase mit einem eigenen Gerät – die 
Rolling Stones, für die der coole Schokolademeister diese außergewöhnliche Art Schokolade zu konsumieren eigens kreiierte, waren auch die ersten, die diese Köstlichkeit auf ziemlich ungewöhnliche Weise „inhalierten“. In zwei Geschmacksrichtungen, Schoko mit Ingwer und Schoko mit Erdbeer. Ich habe mich für Ingwer entschieden, eine sehr erfrischende Angelegenheit.
Richtig zischen tun auch die vielen Biersorten in Belgien, mehr als 1.500 gibt es, jede Marke hat ihr eigenes Glas. Sehr speziell sind auch die 700 verschiedenen Geschmacksbiere. Darunter Exoten wie das recht erfrischende Kirschbier „Kriek“, das gewöhnungsbedürftige Bananenbier oder das süße Ananasbier. Und wenn ich jetzt auch noch übers Essen schreiben soll, bräuchte ich noch ganz viele Seiten. Also sag ich‘s in ein paar Worten: Hinfliegen, ausprobieren und genießen!
Übrigens: Wer den flämischen Meistern schon vor seiner Reise nach Belgien näher kommen möchte, im Kunsthistorischen Museum gibt es dazu eine fantastische Gelegenheit. Neben Peter Paul Rubens kann man ab 2. Oktober und in Kooperation mit Visitflanders die genialen Werke von Pieter Bruegel bestaunen.

Beitrag Barbara Thürschmid


Informationen

Pieter Bruegel d. Ä. – die weltweit erste große monographische Ausstellung von 2. Oktober 2018 bis 13. Jänner 2019 im Kunsthistorischem Museum Wien: www.khm.at/bruegel2018/;
Rubens inspiriert: www.visitantwerpen.be/de/barok/;www.visitflanders.com/; www.brusselsairlines.com/de/;

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