Tunesien

Tunesien

Manche Länder haben’s wirklich nicht leicht, sich‘s auf der großen Reiselandkarte bequem zu machen. Obwohl sie eigentlich alles haben, was für ein perfektes Urlaubsziel nötig ist: Sonne, Sand und Meer, Natur, Kultur und Kulinarik und gastfreundliche und dem Fremden auch sehr aufgeschlossene, herzliche Menschen. Und dennoch schaffen sie es nicht, diese „angeborenen“ Vorteile aus den verschiedensten und oft nicht beeinflussbaren Gründen touristisch zu nutzen.

Tunesien ist so ein „armes“ Land, das, obwohl mit genannten Ressourcen reich gesegnet, immer wieder hart um seine touristische Reputation kämpfen muss. Eine touristische Achterbahnfahrt quasi, denn zum Stigma ein „billiges“ Urlaubsland zu sein, bremsten die aus dem Arabischen Frühling resultierenden politischen Umbrüche sowie Attentate terroristischer Wahnsinniger in den letzten Jahren die gerade wieder Fahrt aufnehmende touristische Entwicklung drastisch. Seit vergangenem Jahr gewinnt der Tourismus aus allen relevanten Quellmärkten endlich wieder an Dynamik. Sicherheit ist in Tunesien wie in allen Reiseländern dieser Welt ein prioritäres Thema, wie man die Zeit des Stillstands zur Qualitätsverbesserung – nicht nur in der Hotelinfrastruktur – genutzt hat. Es hat sich sehr viel getan in Tunesien, davon konnte sich der traveller kürzlich auf einem City-Trip nach Tunis und Umgebung überzeugen.

Guten Abend, wie geht’s!

Ich weiß nicht, wie oft ich schon in Tunis, Sidi Bou Said, Hammemet, Monastir oder Djerba war? Aber ich kann mich noch sehr gut an meine allererste Reise als Teenager, 1976 mit meinen Eltern, nach Hammamet erinnern. Das Hotel hieß Beau Rivage, wir wohnten in kleinen fast fensterlosen Bungalows und meine Mutter war anfangs ob des Dufts im Speisesaal nach „altem Hammel und Olivenöl“, wie sie ziemlich ungehalten bemerkte, wenig motiviert, hier zwei Wochen Urlaub unter Österreichern zu verbringen. Das wurde gleich beim Einchecken deutlich, denn das Personal animierte im besten Wiener Dialekt die Gäste mit „Guten Morgen, wie geht’s? Trink ma a Gösser“, zum gruppendynamischen Miteinander. Es war dann ein schöner Urlaub in einer damals noch eher exotischen Welt, letztlich auch für meine Mutter, die noch heute gerne vom Besuch bei einer „Touristen-Berberfamilie“ mit Teezeremonie berichtet.
Warum ich das erzähle? Weil zwischen diesem, meinem ersten Tunesien-Erlebnis und dem jüngsten, kürzlich in Tunis mehr als 40 Jahre liegen, in denen Tunesien in der Reisegunst, nicht nur der österreichischen Gäste, oft oben und unten lag. Gewiss ist, das Produkt von 1976 hat mit dem von 2019 nichts mehr gemein. Auch wenn Tunesien noch immer zu den preislich attraktiven Reiseländern zählt, ist es definitiv kein billiges Urlaubsland, das sich weder unter seinem Wert verkaufen muss, noch braucht.

Tunis überrascht

Tunis ist als multikulturelle und lebhafte Hauptstadt mit reicher Geschichte zu einer echten Citytrip-Empfehlung geworden, in der obwohl natürlich stark arabisch geprägt, jede Religion und Kultur Platz hat. Das wird spätestens beim Betreten der Medina klar, wo reges Treiben und wie sich’s für einen Basar gehört auch lautes Feilschen herrscht. Aber: Von der früheren Penetranz und auch Unfreundlichkeit vieler Händler beim Nichtkauf ist keine Rede mehr. Schauen und nicht kaufen wird mit einem kecken Lächeln akzeptiert. Auch mischt sich unter die traditionelle „made in China“ Souvenirware immer mehr echte tunesische Handwerkskunst feinster Qualität. Diese Läden befinden sich teils in renovierten und sehr nett gestalteten Innenhöfen und sind oft Teil eines modernen gastronomischen Konzepts. Fondouk El Attarine mitten im Souk ist so ein Beispiel, wo in einer renovierten Karawanserei die tunesische Küche unter Berücksichtigung alter Traditionen neu gelebt wird und man in der angeschlossenen Boutique keinen Kitsch und Ramsch, sondern Erlesenes von tunesischen Künstlern erstehen kann.

Zeit der kulturellen Revolution

Stichwort Kunst und Kultur: Tunesien verfügt über eine sehr kreative junge Szene, die dem großen Aufholbedarf folgend, wie es Sadika Keskes beschreibt, gerade die „kulturelle Revolution“ er- und durchlebt. Sadika Keskes ist eine Frau, die nicht nur das traditionelle Handwerk der Glasbläserei in ihrem Atelier in Gammarth durch Recycling von Altglas modern interpretiert und mit ihren coolen Glas-Kreationen längst über Tunesiens Grenzen hinaus auch in der internationalen Hotellerie bekannt ist. Die Künstlerin, die die Glasbläserei in Murano erlernte und 1994 nach Tunesien brachte, gilt im Land als „Königin der künstlerischen Revolution“. „In unserem Land war für Kunst und Kulturpflege lange kein Platz, seit dem Umbruch verändert sich dieses Bewusstsein zusehends. Das Potenzial in der Bevölkerung ist enorm, gerade unter Frauen. Es bedarf eines klugen Konzepts, um den großen kulturellen Reichtum Tunesiens in die Welt zu tragen. Es braucht eine Kulturrevolution, die der Wirtschaft eine Initialzündung gibt,“ so Keskes.
Das junge künstlerische Tunesien hat mit dem neuen Kulturzentrum mit dem 90 Meter in den Himmel ragenden Glaskuppelturm mit Oper, Theater, Marionettentheater und Kino in der Cité de la Culture nicht nur ein neues Wahrzeichen, sondern auch ein neues kulturelles Gesicht bekommen. Groß sind Andrang und Interesse der jungen Generation, wie eine bei unserem Besuch stattfindende Tanz-Audition zeigte. Die Ballett-Stangen waren dicht an dicht mit Aspiranten besetzt, ja der Hunger nach Kultur jedweder Art ist riesig.
Auch die Hotellerie hat top Standards erreicht, immer mehr internationale Brands und namhafte Hotelketten eröffnen Häuser bzw. führen Tunesien in ihrer Expansionsstrategie. Mövenpick oder Four Seasons sind bereits erste Adressen in der Region Tunis an der Küste von La Marsa, und im Nordwesten Tunesiens im historischen Tabarka eröffnete kürzlich mit dem 5* La Cigale Tabarka Thalasso & Spa-Golf Hotel ein Luxushaus. Ende 2019 folgt mit dem 5* Anantara Tozeur Resort & Spa in der Sahara-Oasen-Stadt Tozeur bereits die nächste Superior-Eröffnung. Aber auch im Herzen von Tunis in der Medina sind kleine feine Boutiquehotels in die alten UNESCO Weltkulturerbe Gemäuer eingezogen. Versteckt in den engen verwinkelten Gässchen befinden sich wahre Juwele, so etwa das 5* Dar El Jeld Hotel & Spa und auch die Cenizaro Hotels & Resorts bauen aktuell ein altes Riad in der Medina in ein kleines feines Hotel um. Cenizaro verfügt mit dem The Residence TUNIS by Cenizaro im Botschaftsviertel von Gammarth bereits über ein Luxushaus, wird Ende 2019/Anfang 2020 ein Luxus-Wüstencamp in Douz eröffnen und hegt weitere Expansionspläne für Tunesien.
Wir checkten im The Residence TUNIS by Cenizaro ein, ein Haus, das bereits vor 20 Jahren zu den ersten Hoteladressen Tunesiens zählte und ganzheitlich dem Unternehmensmotto von „human experiences and special moments“ folgt. Demnächst erfährt das gediegene Hotel mit eigenem von Robert Trent Jones II. entworfenen spektakulären Golfplatz und erste Adresse im gesamten Mittelmeerraum für die echte Thalasso Therapie im preisgekrönten einem römischen Bad nachempfundenen Spa mit Indoor-Salzwasser-Pool ein kosmetisches Facelifting. Getragen von gemütlicher Gediegenheit und Eleganz, überzeugt das Luxusresort mit 155 geräumigen Zimmern mit riesigen Badezimmern vom eigenen privaten Strandabschnitt, großem Outdoor-Pool, Flutlicht-Tennis­anlagen, einem Dolphin Kids Club bis zur grandiosen mediterranen und asiatischen Kulinarik in sechs verschiedenen Restaurants auf allen Linien. Und weil die Altstadt von Tunis, die Ausgrabungen von Karthago, das lebhafte Künstlerdorf Sidi Bou Said und die Flaniermeile von La Marsa – hier unbedingt Foutas (Hamamtücher) kaufen – und auch das Glas­atelier von Sadika Keskes in naher Umgebung liegen, ist das The Residence die perfekte Location für ein neues Tunesien-Erlebnis mit allen Sinnen. bc

Informationen

www.discovertunisia.at/
www.cenizaro.com/theresidence/tunis/
www.tunisair.com/
www.fondoukelattarine.com/
www.sadika.com/

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