Wo „Heidi“ wohnt & Kinder glücklich sind

Wo „Heidi“ wohnt & Kinder glücklich sind

„Heidi“ erinnerte mich bis vor dieser Reise immer an verregnete Nachmittage in meiner Kindheit, und die damit verbundene Qual der Wahl von nur zwei Fernsehprogrammen, bei denen man dann notgedrungen auch weniger spannende Zeichentrickserien aus Mangel an Alternativen anschauen musste. Anfangs ließen Name und Interieur des im idyllischen Bergort Falkert gelegenen Heidi-Hotels in Kärnten genau diese Erinnerung wieder aufleben, ist doch hier alles auf Heidi getrimmt: Abgesehen vom Hotelnamen, auch die Bilder an den Wänden und Aufsteller, und sogar das Hemd vom Hotelchef Lukas ziert ein Konterfei der Zeichentrick-Heidi. Und checkt man ein, was liegt zur Begrüßung am Bett? Ein Heidi-Comic-Heft - ich wusste gar nicht, dass es derartiges gibt.

Kinderrutsche, Wasserfall & Zauberteppich

Mit diesem Namen will das Hotel natürlich unterstreichen, dass hier alles auf die jüngsten Gäste ausgerichtet ist. So gibt’s ein eigenes Kindermenü, jeden Tag Kinderbetreuung – für Indooraktivitäten stehen gleich mehrere große Zimmer im Untergeschoß zur Verfügung – ein Indoor-Pool mit Kinderrutsche und Wasserfall, sowie ein Planschbecken für die ganz Kleinen.

Aber auch die Eltern kommen nicht zu kurz: täglich gibt es andere Aktivitäten, einmal in der Woche findet zum Beispiel ein Fackelspaziergang durch ein romantisches Winterwäldchen mit anschließendem Raclette- und Fondueessen statt, an dem auch wir teilnehmen durften.

Und am flachen Hang, gleich direkt vor der Hoteltüre, können die Kinder entweder die ersten Rutschversuche auf Skiern tätigen oder sich einfach eine der zahlreich vorhanden Rodeln oder Bobs schnappen und übers Bergerl sausen. Damit sie dann nicht zu Fuß den Hang erneut erklimmen müssen, geht’s per kleinen Zauberteppich wieder bergauf. Die Vielfalt an täglichen Outdooraktivitäten für die Kleinen ist bunt und groß, sogar kleine Kinder-Skidoo werden zur Verfügung gestellt.

Skifahren für Groß & Klein

Aber auch als begleitender Elternteil kommt man bei „Heidi“ nicht zu kurz: Gleich gegenüber dem Hotel, am oberen Ende des Ortes gelegen, erstreckt sich sanftem Bogen der Hang, links geht’s zur steileren und recht zur einfacheren und flacheren Piste. Man schnallt sich quasi vor dem Hotel die Ski an, um zur rund 200 Meter unterhalb gelegenen Lifttalstation des Skigebietes zu fahren. Von dort starten zwei Schlepplifte zu fünf Pisten. Die Pistenlänge ist überschaubar und geübterer Skifahrer werden’s bald nicht sehr herausfordernd finden. Für mich jedoch, der auch manchmal mit dem Snowaboard unterwegs ist, war‘s das reine Paradies. Erstens ist durch die hohe Lage ausreichend Schnee vorhanden, eisige oder abgefahrene Stellen musste man suchen – ich habe übrigens keine gefunden-, die leeren Pisten lassen zu, dass man die komplette Breite für geschnittene Schwünge ausnützt. Bei genügend Neuschnee gibt es ausreichend unpräparierte Hänge, die zum Tiefschneefahren einladen.

Auch ein dritter Lift wäre vorhanden, der auf die einzige schwarze Piste führt. Aufgrund zu geringer Frequenz, wurde dieser jedoch außer Betrieb gesetzt. Will man diesen anspruchsvollen Hang trotzdem ausprobieren, bucht man einfach eine der geführten Skitouren und kann so zumindest einen Teil des Hanges genießen.
Gerade für ein Familienskigebiet ist diese Überschaubarkeit der Pisten ideal, denn das Kind kann eigentlich nirgendwo verloren gehen. An der Talstation kommen nämlich alle Lifte zusammen und damit kommen hier auch alle kleinen oder schon etwas größeren Wedelkaiser unweigerlich vorbei. Auch die Skischule befindet sich hier, ich konnte also gemütlich meine Schwünge ziehen ohne dabei meine Tochter aus den Augen zu verlieren. Vorteilhaft dabei ist, dass die Liftstation oberhalb des Anfängerhangs liegt – ich konnte also auch von oben meine Tochter, ohne dass sie es bemerkte und abgelenkt gewesen wäre, bei ihren Schwüngen beobachten. Und sie hat ihre Sache sehr sehr gut gemacht.
Der Vormittag ging viel zu schnell vorbei, gerne wäre ich noch ein paarmal meine Lieblingspiste heruntergesaust, aber es war Zeit, meine Tochter abzuholen. Als sie morgens auf die Ski gestiegen ist, wäre sie fast im Stehen umgefallen. Nach ein paar Stunden Skischule fuhr sie den Anfängerhang bereits alleine im Pflug hinunter, inklusive stehenbleiben! Und so fand ich’s auch sehr schade, dass dies der einzige Tag in diesem Skigebiet bleiben sollte, denn mindestens genauso begeistert wie meine Tochter war auch ich über ihre Fortschritte. Wäre also nicht schlecht, dachte ich, wenn sie den nächsten Tag auch noch dort verbringen könnte…

Rodeln über blaue Pisten

Für den nächsten Tag jedoch war der Besuch des ca. 30 Minuten entfernt gelegenen Skigebiets Hochrindl geplant – mit sehr eng gestecktem Programm! Nach Schifahren am Vormittag, Mittagessen, Pferdekutsche fahren, Rodeln, Eisstockschießen und dann ein gemeinsames Abendessen. Ein doch sehr ambitioniertes Programm mit Kindern, bei dem das älteste – meine Tochter – sechs Jahre alt war. Aber dazu später noch.

Wir schafften es aufgrund der Wetterverhältnisse allerdings erst am späteren Vormittag aufs Hochrindl. Meine Tochter durfte gleich in den laufenden Skikurs einsteigen, nach einem kurzen Vorfahren stellte die Skilehrerin fest, dass sie schon zu den geübteren Anfängern gehören würde – was mich natürlich mit sehr viel Stolz erfüllte. Nachdem ich meine Tochter mit gutem Gewissen in die Obhut der Schischuldamen entließ, konnte auch ich – endlich – mit Skifahren loslegen. Gerlinde, die Leiterin der Skischule, begleitete mich. Die Zeit war knapp – meine Tochter sollte bald wieder abgeholt werden – mussten wir das ganze Skigebiet sehr zügig abfahren, was bei derart leeren Pisten wie an diesem Tag, das wahrste Vergnügen war.

Das Skigebiet ist durchaus auch anfängergeeignet, dadurch, dass sich die Hänge aber über verschiedene Berge verteilen, ist es weniger übersichtlich wie das Skigebiet der Heidi-Alm. Will man sein Kind im Auge behalten, beschränkt sich die Abfahrt eigentlich auf die erste blaue Piste, die einzige, die bei der Skischule endet. Die Pisten, von Bäumen gesäumt, sind vom Gefälle her durchaus für bessere Skifahrer interessant. Besonders empfehlenswert sind die die beiden schwarzen Abfahrten am Kruckenspitz, die Abfahrt Krucken ist sogar eine FIS-Strecke. Diese Pisten sind zwar steil, aber sehr gut präpariert. Leider blieb es bei einer Kruckenabfahrt, wir mussten nämlich wieder Richtung Skischule zurückschaukeln. Das Wetter verschlechterte sich zusehends, Sturm zog auf, Folge dessen die Lifte abgedreht werden mussten, für eine Stunde war der Strom ganz weg, was bedeutete: Kein Skifahren mehr, nur Rodeln fand in einer abgeänderten Variant noch statt. Wir wurden per Ski-Doo, mitsamt Rodeln, mehrmals bergauf beförderte – die Lifte blieben an diesem Tag gesperrt – wir hatten also die blaue Piste exklusiv für uns. Ein grandioses Erlebnis, nicht nur für die kids!

Mein Resümee

Wer diese Schigebiete besuchen möchte, ist gut beraten, Schneeketten mitzunehmen.
Nächtens, vor der Fahrt auf den Hochrindl, hatte es stark geschneit und es schneite auch am Morgen. Die Straßen waren nicht oder nur unzureichend geräumt. Ich halte mich eigentlich für einen geübten Autofahrer, auch Gefälle mit Schneefahrbahn macht mir keine Angst, aber hier war es – vielleicht ja nur an diesem Tag – anders: Ich konnte das Auto kaum zum Stoppen bringen, trotz langsamster Geschwindigkeit rutschte es weiter und weiter, bis es dann endlich – fast gnadenhalber – doch noch stehenblieb. Mangels Schneeketten verließ mich der Mut, ich ließ das Auto stehen und meine Tochter und ich fuhren im Heidi-Hotel Bus mit Vierradantrieb, vom Hotelchef persönlich gelenkt, sicher weiter. Nebenbei bemerkt, der Bus hatte keine Ketten aufgezogen und Lukas erzählte, während er die steile Straße entlangrutschte, fröhlich Geschichten aus und von der Gegend. Und meinte in meine Richtung, ich wäre diese Verhältnisse halt nicht so gewohnt. Naja, ich redete mir ein, es lag an der Bereifung, denn an meiner Autofahrerehre hat mein Unvermögen schon ein wenig genagt. Dafür habe ich aber mit Heidi meinen Frieden geschlossen, dem Heidi-Hotel Danke dafür!

Information

Das Heidi-Hotel Falkertsee liegt in den Kärntner Nockbergern auf der Turracher Höhe. Fahrzeit von Wien. Von Wien kommend geht es über die Südautobahn, S6, B317, B96, B97 und B95 in rund vier Stunde und knapp 300 Kilometern auf die Turracher Höhe.

Bitte google. Maps einbinden
www.heidi-hotel.at
www.hochrindl.at
www.falkert.at

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