Geistvolle Stadt der Könige

Geistvolle Stadt der Könige

Die ehemalige Königsresidenz ist heute die heimliche Hauptstadt Polens und gehört zu den größten europäischen Zentren der Kultur sowie – als bedeutende Universitätsstadt – auch der Wissenschaft. Die meistbesuchte Stadt Polens besticht mit einem Mix aus Tradition und Moderne und wartet mit mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten ebenso wie mit einer lebendigen Start-up-Szene, innovativem Biotechnologiecenter oder einem der größten Film- studios in Europa auf.

Eingebettet in das teils gebirgige Hochland der südlichen Woiwodschaft Kleinpolen mit seinen zahlreichen Kur- und Urlaubsorten sowie Ferienbauernhöfen, glänzt die Metro- pole an der oberen Weichsel als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum einer aufstre- benden Region mit rund acht Millionen Menschen. Fünf Nationalparks und fünf Weltkulturerbestätten machen diesen Teil zur wahrscheinlich schönsten und viel- fältigsten Region Polens. Zu den größten Touristenattraktionen gehört beispielsweise das unweit von Krakau gelegene Salzbergwerk von Wieliczka, das ebenso wie Krakaus Alt- stadt Teil des UNESCO-Welterbes ist. Das Bergwerk wird jährlich von rund 1,6 Mio. Gä- sten besichtigt, fast so viel wie eine andere bedeutende UNESCO-Welterbestätte in der Nähe von Krakau: Die Gedenkstätte im ehe- maligen Konzentrationslager Auschwitz-Bir- kenau zählt mehr als zwei Millionen Besucher im Jahr.
Krakau zieht als ehemalige Hauptstadt Polens mit ungewöhnlicher Geschichte, reicher Tradition und zahlreichen Denkmälern aus Romanik, Gotik, Renaissance und Barock heute jährlich rund 12,5 Mio. Touristen an. Ihnen stehen von Hotels internationaler Ket- ten mit hohem Standard bis zu günstigeren Hostels und Appartements – vor allem im ehe- mals jüdischen Stadtteil Kazimierz, in dem es heute noch einige Synagogen, die damalige Fabrik Oskar Schindlers und Reste des ein- stigen Ghettos zu besichtigen gibt – Unter- künfte für sämtliche Preisklassen und Vorstel- lungen zur Verfügung.

Krakau zu Fuß

Da alle touristischen Attraktionen Krakaus auf einer relativ kleinen Fläche in der frisch renovierten Altstadt versammelt sind, kann die Weichselmetropole sehr gut zu Fuß erkun- det werden. Als wertvolle Hilfe dienen dabei zahlreiche unentgeltliche Smartphone-Apps, wie die innovative Königsweg-Tour, die als erste behindertengerechte Besichtungsstre- cke Polens auch für Menschen mit einge- schränkter Mobilität oder Sehbehinderung ge- eignet ist. All diese Dienstleistungen sind auf Polnisch und Englisch zugänglich.
Das touristische Zentrum der Altstadt ist der mittelalterliche Marktplatz, mit einem Aus- maß von 200 x 200 Metern der größte Euro- pas. Da Krakau seit dem Einfall der Tataren und Mongolen im 13. Jhdt. von Kriegen und Zerstörungen weitgehend verschont blieb, ha- ben sich dieser Platz und das umliegende Straßennetz seit der Neugründung der Stadt anno 1257 im Wesentlichen bis heute erhal- ten. Bewahrt haben sich an ihrem ursprüng- lichen Standort auch die Tuchhallen. Schon im frühen Mittelalter war Krakau für den Tuchhandel bekannt. Im ältesten Krakauer
Einkaufszentrum mit seiner umlaufenden At- tika mit achen Arkaden und dekorativen Maskaronenköpfen werden heute Souvenirs verkauft und im ersten Stock be ndet sich die Gemäldegalerie der Polnischen Kunst des 19. Jhdts.

Wawel – Ruhestätte polnischer Könige

Besondere Beachtung verdient der Wawel. Die ehemalige Königsburg und die Kathedrale thronen weithin sichtbar über der Stadt. Der Wawelhügel wurde nachweislich schon vor 20.000 Jahren besiedelt. Der Legende nach soll Fürst Krak auf der Wawel einen Drachen erschlagen und danach dort die Stadtgrün- dung vorgenommen haben. Die Kathedrale blickt auf eine mehr als tausendjährige Ge- schichte zurück und gilt als polnisches Natio- nalheiligtum, da sie als Ort der Krönung für die polnischen Monarchen, als Ort der Ehe- schließungen und auch als Grabstätte für die meisten polnischen Könige und deren Familien, sowie für die Bischöfe und Erzbischöfe von Krakau, für Nationalhelden und berühmte Künstler Polens diente.
Einer dieser Erzbischöfe war Karol Wojtyła. Der spätere Papst Johannes Paul II wird in seinem Heimatland sehr verehrt und die mei- sten Stadtführer in Krakau bieten eine eigene Touristen-Route zu den Plätzen und Orten des ehemaligen geistlichen Oberhaupts der katho- lischen Kirche an. Vom Bischofs-Palast mit dem berühmten Fenster bis zur Franziskaner- kirche, wo er als noch junger Priester betete und hier sogar seine eigene Bank hatte, wo- von heute ein Schildchen zeugt.

Krakau – Zentrum des Christentums

Dass Krakau das unbestrittene Herz des pol- nischen Christentums ist, nimmt man an je- der Ecke der Stadt wahr. Die zahlreichen Kir- chen bergen berühmte Gnadenbilder und Re- liquien sowie die letzten Ruhestätten bedeu- tender Geistlicher. Eine der größten Wall- fahrtskirchen Osteuropas ist das Pilgerzentrum Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes nach der heiligen Maria Faustyna Kowalska, das von jährlich rund zwei Millionen Menschen besucht wird. „Skałka“, die Kirche des Erzen- gels Michael und des Hl. Bischofs und Märty- rers Stanislaus wiederum, ist eine der wich- tigsten Kirchen der Polen. In ihrer Gruft ruhen seit dem 19. Jhdt. berühmte Dichter, Schrift- steller, Schauspieler, Komponisten und Wis- senschaftler.

Universitätsstadt mit pulsierendem Nachtleben

Prägend für die Stadt ist auch die 1364 vom polnischen König Kasimir dem Großen gegründete Jagiellonen-Universität, weswegen Krakau heute nach Prag die zweitälteste Universitätsstadt Mitteleuropas ist. Unter der Fürstendynastie der Jagiellonen er- lebte Krakau eine wirtschaftliche, kulturelle und politische Blüte-
zeit. Zahlreiche Prunk- und Sakralbauten aus den Epochen der Gotik und Renaissance zeugen noch heute von dieser Glanzzeit. Mit rund 40.000 Studenten ist die Jagiellonen-Universität die zweitgrößte Hochschule in Polen und zusammen mit weiteren 60.000 Studenten der 19 anderen Universitäten in der Stadt sorgen die vielen angehenden Akademiker auch dafür, dass sich in Krakau als junge pulsierende Metropole ein gera- dezu unüberschaubares Nachtleben mit zahlreichen Bars, Restaurants und Klubs entwickelt hat.

Österreichischer Arzt als Bürgermeister

Eine aus österreichischer Sicht interessante und wichtige Persönlichkeit für die Stadtent- wicklung von Krakau war der Arzt, Hochschul- professor und Politiker, Josef Dietl. Als Primar des Wiedner Spitals folgte der in Wien hoch- angesehene Mediziner 1851 dem Ruf der Ja- giellonien-Universität. Durch seine Leitung kam die medizinische Klinik zu hohem Anse- hen, der Pathologe wurde Rektor der ehrwür- digen Krakauer Hochschule, in der einst berühmte Kommilitonen wie Nikolaus Koperni- kus oder Papst Johannes Paul II lernten. Nachdem sich Dietl über den universitären Bereich hinaus auch im polnischen Parla-
ment engagierte, zeigte er von 1866 bis 1874 auch als Bürgermei- ster von Krakau politischen Weitblick und brachte Hy- giene, bauliche Infra- struktur, Brandschutz, die städtischen Finan- zen und das Schulwe- sen der damals recht heruntergekommenen Stadt in Ordnung. Er trieb die Entwicklung von Grün ächen voran und ver- besserte die Geschäftsbedin- gungen der Kau eute. Die Stadt verdankt dem visionären Österreicher viel und widmete seinem ehemaligen Ober- haupt mit der Ulica Józefa Dietla auch eine
Prachtstraße im Zentrum.
Es gibt viel zu entdecken in und um Krakau und egal wieviel Zeit man einplant: Den mei- sten wird diese am Ende zu knapp, um all die schönen Orte und Sehenswürdigkeiten zu be- sichtigen, die Polens moderne Metropole mit mittelalterlichem Flair bietet. Darum kommt man auch immer wieder gerne hierher zurück auf einen Städtetrip mit Mehrwert.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem traveller No. 15 | 2018.
Autor: Stefan Zwickl

Wichtige Informationen

Informationen unter www.polen.travel

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