Kreta

Kreta

Kreta wird nicht nur für zahlreiche Traumstrände auf mehr als 1.000 Kilometer Küste geschätzt. Die größte Insel Griechenlands gilt gerade auch abseits des Sommertourismus wegen ihres angenehmen Klimas und der zahlreichen Sehenswürdigkeiten als beliebte Destination für Kulturfreunde, Naturliebhaber und Feinschmecker.

Kreta verbindet man üblicherweise mit Sonnenschein, Badeurlaub und wunderschönen Sandstränden, wie den Palmenstrand von Vai mit dem größten natürlichen Palmenhain Europas oder den legendären Hippiestrand von Matala, in dessen Höhlen einst auch Künstler wie Bob Dylan oder Cat Stevens lebten. Aber gerade auch für Nichtschwimmer gibt es zahlreiche Ausflugsziele und Kulturhighlights auf der Insel der Götter zu entdecken.
So ist Zeus, der oberste Gott der griechischen Mythologie, ein Kind Kretas. Hier soll der mächtige Titanenprinz der Legende nach geboren, gestorben und wiederauferstanden sein, bevor er sich zum Herrscher des Olymps aufschwang. Und eben hierher hat der neben seiner Ehe mit Hera höchst umtriebige Schwerenöter in Gestalt eines weißen Stieres auch Europa entführt. Mit der Namensgeberin unseres Kontinents soll er drei Söhne gezeugt haben: Sarpedon, Rhadamanthys und Minos, den späteren Herrscher über Kreta.
Die minoische Kultur gilt als die erste Hochkultur Europas und die Paläste des sagenhaften Königs Minos und seiner Nachfolger aus der Zeit von 2.600 bis 1450 v. Chr. sind heute vielbesuchte Kulturdenkmäler auf der südlichsten Insel Europas. Die archäologischen Ausgrabungsstätten von Malia, Phaistos oder der Palast von Knossos geben anschaulich Zeugnis von der bronzezeitlichen Besiedlung Kretas, die die griechische Mythologie maßgeblich geprägt hatte. Vom menschenfressenden Fabelwesen Minotaurus, der von Theseus mit Unterstützung von Ariadne und ihrem Faden im Labyrinth getötet wurde, bis hin zu Daidalos und dessen Sohn Ikarus, die mit ihren selbstgebauten Flügeln aus dem minoischen Palast flohen, begegnet uns hier die Sagenwelt der Helden und Götter Griechenlands auf Schritt und Tritt.

Wo Zeus das Licht der Welt erblickte

Eines der bei Touristen aus aller Welt beliebtesten Ausflugsziele Kretas ist die Diktäische Höhle auf der Lassithi-Hochebene. Hier soll die Gottesmutter Rhea Zeus auf die Welt gebracht haben, um ihn vor seinem paranoiden Vater Kronos, der alle seine Kinder verschlang, zu verstecken. Zeugnisse der griechischen Mythologie sowie Überreste der minoischen Kultur findet man auf der ganzen Insel. Neben dem Palast von Knossos bergen auch antike Stätten wie Gournia oder Vathypetro sowie die archä-ologischen Museen in Heraklion, Chania, Rethymnon, Sitia, Kissamos und Arhanes jahrtausendealte Schätze der ersten Hochkultur Europas. Sehenswert ist auch die „Minoa“, eine am Hafen von Chania liegende seetüchtige Nachbildung eines minoischen Ruderschiffs aus dem 15. Jahrhundert v. Chr. Beim Bau wurden ausschließlich Techniken und Materialien verwendet, die auch in der Bronzezeit zur Verfügung standen.
Kreta war als Kreuzungspunkt von drei Kontinenten und fünf Meeren immer schon ein Schmelztiegel der Kulturen. Durch die gute strategische Lage im Mittelmeerraum war die Insel im Laufe seiner langen Geschichte aber auch begehrtes Ziel zahlreicher Eroberer. So finden wir Reste der minoischen Kultur aus der Antike, ebenso wie Bauten und Spuren aus der Römerzeit, der venezianischen Ära oder der türkischen Besatzungszeit. Die Einflüsse der Herrscher haben sich auch in den Traditionen und Bräuchen der Kreter tief eingegraben.

Ein Sohn & ein Fass Wein

Zum guten Brauch gehört auf Kreta das genüssliche Trinken von Tsikoudia. Der Raki ohne Anis ist die kretische Variante des im restlichen Griechenland als Tsipouro bekannten Tresterbrands und unvermeidliches Getränk, das von den als besonders gastfreundlichen geltenden Kretern zu jeder Begrüßung, jedem Abschied und nach dem Essen angeboten wird. Generell sind die Kreter ein sehr genussfreudiges Volk, das eine lange Tradition des Weinbaus hat und diesen auch gerne für den Eigenbedarf herstellt. Obwohl jeder Kreter durchschnittlich
25 Liter im Jahr verbraucht, ist Olivenöl der Exportartikel Nummer 1. Dieses wird von den rund 30 Millionen Bäumen der Insel gewonnen. Ende Oktober startet die Olivenernte, ein alljährliches Spektakel und nach alter Tradition mit der Hand durchgeführt.
Traditionen werden generell hoch gehalten in den zahlreichen Dörfern im Landesinneren. Bei der Geburt eines Sohnes wird vom Vater beispielsweise ein Fass Wein versiegelt, das dann Jahre später bei dessen Hochzeit getrunken wird. In den Cafenions sitzen die dorfältesten Männer die Zeit ab, während die Frauen kochen oder an traditionellen Webstühlen die Wolle der 900.000 Schafe Kretas verarbeiten. Vielerorts findet man auch Töpfereien, die auf traditionellen Scheiben Tonkrüge, Salatschalen und Ähnliches herstellen und zum Verkauf
anbieten.

Kretas prominente Söhne

Wer wissen will, wie das Leben früher auf der Insel war, bekommt dies im Volkskunde-
museum in Agios Georgios mit originalen Häusern von damals anschaulich dargestellt. Hier gibt es auch zahlreiche Spuren der minoischen Kultur und sogar ein Museum für Eleftherios Venizelos. Der auf Kreta geborene Staatsmann wurde sieben Mal zum griechischen Ministerpräsidenten gewählt und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Kreta 1913 ein Teil Griechenlands wurde. Sein ehemaliges Wohnhaus in Chania wurde zu einem Museum für den populären Politiker eingerichtet.

Einem anderen populären Kreter ist in dessen Elternhaus in Myrtia ebenfalls ein Museum gewidmet: Der Schriftsteller Nikos Kazantzakis schuf Romane und Reiseberichte von Weltruhm und mit Alexis Sorbas das Porträt des lebensfrohen Griechen schlechthin, das durch seine Verfilmung mit Anthony Quinn in den 1960er-Jahren endgültig Kultstatus erreichte. Sehenswert sind auch die zahlreichen Klosteranlagen wie beispielsweise Toplou mit den berühmten Ikonen des Malers Johannes Kornaros aus dem 18. Jahrhundert oder Kroustallenia mit seinem heiligen Felsen Agiocharako, aus dem ein mächtiger Baum mit 18 Stämmen wächst, die die 18 Dörfer der Lassithi-Hochebene symbolisieren. Wer es lieber ein wenig profaner mag, findet auf Kreta unzählige Möglichkeiten für Wandern, Klettern, Canyoning, Reiten und ähnliche Aktivitäten vor. Bis zu 4.000 Menschen durchwandern beispielsweise täglich die Samaria-Schlucht und genießen das beeindruckende Naturschauspiel mit seinen 600 Meter hohen senkrechten Felswänden.

Schnee auf Kreta

Unter 15 Grad fällt das Thermometer auch in den Wintermonaten selten auf der fünftgrößten Insel des Mittelmeers. Es sei denn, man fährt ins gebirgige Landesinnere, wo sich empfiehlt, für diesen Ausflug die ansonsten ausreichende leichte Kleidung gegen Wärmeres zu tauschen. Der höchste Berg Kretas, der 2.456 Meter hohe Psilirotis, lockt nicht nur mit einer traumhaften Aussicht, sondern auf der Nida-Hochebene auch mit einer geschlossenen Schneedecke und einem kleinen Schizentrum. Die höchst fruchtbaren Ebenen werden landwirtschaftlich intensiv genutzt und alte Windmühlen aus venezianischer Zeit zeugen neben minoischen Resten wieder einmal von der langen Besiedlungsgeschichte Kretas. Es gibt viel zu entdecken auf Kreta, abseits von Strand und Meer. Die Sonne und wohlig-warme Temperaturen des mediterranen Klimas sind gerade zu dieser Jahreszeit dabei höchst angenehme Begleiter.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem traveller No. 42 | 2017
Autor: Stefan Zwickl

Wichtige Informationen

Aegean fliegt ganzjährig täglich von Wien über Athen nach Heraklion und Chania, www.aegeanair.com. Infos zu Griechenland gibt es bei der Griechischen Zentrale für Fremdenverkehr unter www.visitgreece.com

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