Schöne Tochter des Vulkans

Schöne Tochter des Vulkans

Sie ist schroff, faszinierend und wild, kann aber auch weich, warm und anschmiegsam sein: Madeira, Trauminsel im Atlantik!

Der AUA-Kapitän hat sich den Applaus wirklich verdient. Er landet den A321 sicher auf dem nicht ganz einfachen Flughafen in Funchal – um es einmal vorsichtig auszudrücken, denn auch für Abgebrühte ist es hier immer spannend. Der Airport heißt übrigens neuerdings Cristiano Ronaldo nach dem wohl berühmtesten Sohn der Insel.
Meisterlich und erschreckend flott unterwegs sind hier auch die Busfahrer. Es gibt nämlich – abgesehen von der Runway und der Autobahn – nur schmale Straßen mit Haarnadelkurven, auf der einen Seite die Klippen zum Ozean, auf der anderen die steilen Berge.
Der Grund dafür ist die Entstehungsgeschichte der Insel. In grauer Vorzeit erhob sich aus 4.000 Metern ein Vulkan aus dem Atlantik und spie jahrtausendelang Lava,
bildete schroffe Felsen, steile Abhänge und tiefe Täler bis auf fast 2.000 Metern Höhe. Dann kam der Aschenregen, der alles bedeckte und daraus wurde fruchtbare Erde. Und seither grünt und blüht diese Insel zu allen Jahreszeiten in einer Landschaft, die ihresgleichen sucht.
Bereits im 15. Jahrhundert wurde begonnen, dieses wilde Land urbar zu machen. Die berühmten „Levadas“ wurden angelegt. Das sind flach geführte Bewässerungs-Kanäle, die die Quellen von hoch oben in die Täler führen. Immer rund um den Berg herum, geklammert an steile Schluchten, manchmal durch schmale Tunnels, hinter Wasserfällen vorbei. Man wandert also neben gluckernden Steinrinnen oder balanciert an deren Rand. Klingt gefährlicher als es ist und außerdem gibt es spezielle Wanderführer, die jede Levada und ihre Schwierigkeitsgrade (insgesamt sind sie 2.000 Kilometer lang) ausführlich beschreiben.
Ein paar schwarze Ziegen kreuzen den Weg (Kühe müssen, der Steilheit des Geländes wegen, im Stall bleiben) und Bauern, die diese Lebensader warten und putzen. Einst bauten sie Zuckerrohr an, dann Bananen, heute fristen sie ihr Leben mühsam genug und bauen in kleinen Einheiten Obst, Gemüse und Wein an. Seit dem EU-Eintritt Portugals hat sich, auch für sie, vieles im ehemaligen „Armenhaus Europas“ zum Besseren verändert.

Zimmer mit Meerblick

Die, im Reisebüro nur allzu oft gestellte Bitte, ist leicht zu erfüllen, es gibt quasi nur solche.
Die Madeirer sind Weltmeister im Bauen von Fundamenten und Terrassen. Jede noch so armselige Keusche hat eine prachtvolle Aussicht, ganz zu schweigen von den Hotels und Privathäusern. Touristen kommen immer
öfter und gerne nach Madeira. Sie kommen – trotz des warmen Klimas – nicht des Badens wegen. Die paar Buchten sind von Funchal oder kleinen Orten belegt. Es gibt keine Strände und wenn ja, dann sind sie schwarz und steinig, der Atlantik ist immer kühl und bekanntlich kein sehr freundlicher Ozean.
Während meiner Tage auf Madeira bin ich viel herumspaziert. Funchal ist eine hübsche und sehr lebendige Stadt. Ein paar schöne Kirchen, der große Markt, prachtvolle Gärten, viele Restaurants und Bars und bunte Straßenkunst, die die liebliche Altstadt modern ergänzt. Jeden Tag liegt ein anderes Kreuzfahrtschiff im Hafen, alle namhaften Reedereien sind vertreten. Das ergibt eine interessante Mischung zwischen dunkel gekleideten Einheimischen und den bunt gewandeten Touristen.
Auf den Monte führt eine Umlaufseilbahn – Doppelmayr, what else – und dort oben ist es erst einmal kühl und windig. Dann die Kirche mit dem bescheidenen Grabmal des letzten Habsburger-Kaisers, der unglaublich prachtvolle botanische Garten und der Startpunkt der Korbschlitten. Ich habe es gewagt und was soll ich sagen, die Burschen – optisch irgendwie eine Mischung aus Gondo-liere und Skilehrer – lassen es ganz schön tuschen.
Auf meinen Berg-Wanderungen treffe ich eine Gruppe junger Männer auf ihren Mountainbikes, sie sind begeistert von den Steigungen und Gefällen und total verschmutzt, weil es ja immer wieder einmal kurz regnet.
Ich treffe die noble Kategorie der Golfer, denn die Plätze sind gleichermaßen spektakulär und schwierig zu bespielen. Und außerdem herrscht hier noch immer ein gewisser englischer Lebensstil, den sie mögen. Nirgendwo ist Hochseefischen so aufregend und erfolgreich erzählen die Kenner der Materie. Nirgendwo seien die Zackenbarsche so groß, berichten die Taucher.
Womit wir beim Kulinarischen angelangt wären. Der hässlich schwarze Fisch „espada“ lebt in 700 Metern Tiefe und wird in der Nacht mit endlosen Leinen heraufgeholt. Selbstverständlich habe ich ihn probiert, aber es gibt bessere Fische in den Gewässern vor Madeira. Obst und Gemüse sind hervorragend, der Wein kommt großteils aus Portugal (vinho verde) und ist ausgezeichnet. Der Madeira-Wein kommt ausschließlich von der Insel und muss gekostet bzw. mitgenommen werden. Dasselbe gilt für den Honig, möglicherweise auch für Blumen (werden gut verpackt zum Airport geliefert) und eventuell für Stickereien. Die allerdings nur von autorisierten Händlern, alles andere sind Fälschungen aus Fernost.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem traveller No. 15 | 2018
Autor: Susanne Mitterbauer

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