VIETNAM BY VNA

VIETNAM BY VNA

Mopeds, Mopeds und nochmal Mopeds! Das war der prägendste Eindruck gleich nach der Ankunft mit dem Vietnam Airlines Flug in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem ehemaligen Saigon. Die meisten anderen Indochina-Klischees wurden nur bedingt erfüllt.

Dass Vietnam als Reisedestination vor allem bei jüngeren Touristen boomt, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch was steckt hinter der Verlockung, in das vielseitige Land zu reisen? Ist es der Mythos um die Vietnamkriege – insbesondere jener, in denen die USA verwickelt waren – ist es die Landschaft, die Kultur, oder sind es die Menschen?

Ein stimmiges Gesamtpaket

Spoiler vorweg: Es ist bestimmt ein Mix all dieser Faktoren, doch muss ich ehrlich gestehen, dass ich ein recht einfaches Land erwartet habe, vor allem was die Infrastruktur betrifft. Insbesondere dieser Eindruck wurde auf unserer ersten Etappe in Ho-Chi-Minh-Stadt nicht bestätigt.

Ganz im Gegenteil: Das ehemalige Saigon erinnert ein bisschen an das aufstrebende Singapur vor 15 Jahren. Der Ruf, dass Ho-Chi-Minh-Stadt das boomende Zentrum Südost-asiens ist, kommt also nicht von ungefähr. Das Faszinierende daran ist allerdings, dass das ehemalige Saigon im Vergleich zur
Finanzmetropole Singapur trotz vieler Wolkenkratzer, modernster Luxushotels und westlich angehauchten Shoppingmeilen nach wie vor den indochinesischen bzw. südostasiatischen Touch behalten hat. Hier stimmt das Gesamtpaket aus moderner Welt und reicher Tra-
dition.

Ein Mitgrund für den aufstrebenden Tourismus ist mit Sicherheit auch die bequeme Flugverbindung mit der 4* Fluglinie Vietnam Airlines, Member der SKYTEAM. Mehrmals pro Woche geht es via Paris, Frankfurt, London oder Moskau mit einem der beiden modernsten Verkehrsflugzeuge der Welt, dem Boeing Dreamliner oder dem Airbus A350, direkt nach Ho-Chi-Minh-Stadt oder in die Hauptstadt Hanoi.

Bewegte Geschichte

Kaum ein anderes Land hat in den letzten Jahrhunderten so viele Schlachten geschlagen wie Vietnam. Dass der letzte Krieg noch gar nicht so lang zurückliegt, kann man nach Gesprächen mit den Einheimischen kaum glauben. Der Umgang mit diesem Schicksal ist spannend: Die meisten, mit denen wir in Kontakt gekommen sind, nahmen es mit Humor. Eine Abneigung, beispielsweise gegenüber den USA, ist ebenfalls nicht zu spüren.

Man hat vergeben, aber vergessen hat man nicht – und daran soll unter anderem das eindrucksvolle Kriegsmuseum in Ho-Chi-Minh-Stadt erinnern. Definitiv einen Abstecher wert, denn auf mehreren Ebenen hat man hier bildhaft dargestellt, was der Krieg für Leid über die Menschen und das Land gebracht hat, und mit welchen Mitteln die US-Amerikaner versucht haben, Nordvietnam zu besiegen. Neben vielen Kriegsrelikten wie Kampfjets und Co. sind vor allem die Auswirkungen von Agent Orange, einer Chemikalie, die als Entlaubungsmittel dienen hätte sollen, ausgestellt. Um die Auswirkungen auch wirklich im Gedächtnis zu behalten, arbeiten hier im Museum Vietnamesen, die selbst sichtbar Opfer dieser Chemikalie wurden und nach wie vor unter den Nachwirkungen leiden. Spätestens da stockt einem der Atem.

Neben dem Kriegsmuseum ist auch der Widervereinigungspalast, der während des Vietnamkriegs das Domizil des südvietnamesischen Präsidenten war, definitiv einen Abstecher wert. Neben den Prunkräumlichkeiten, in denen verhandelt und taktiert wurde, kann man in den Bunkern die Funkanlagen der Südvietnamesen bestaunen. Spannendes Detail am Rande: Der Vietcong verfügte über keine derartige Technologie und musste alle Anweisungen über „stille Post“ an die Front weitergeben.

Geordnetes Chaos

Um ein besseres Gefühl für das tägliche Leben und vor allem das Nachtleben zu bekommen, empfiehlt sich, eine Moped-Tour zu buchen. Keine Sorge: Man fährt im chaotischen Treiben in aller Ruhe auf dem Beifahrersitz mit und überlässt den Verkehr einem geübten Einheimischen. Meist sind das Studenten, die gerne auch selbst aus dem Nähkästchen plaudern und einen Einblick in ihren Alltag preisgeben. Vor allem für schwache Nerven ist der Beifahrersitz das Richtige, denn die meisten Verkehrsteilnehmer sind absichtlich farbenblind und ignorieren prinzipiell Ampeln. Trotzdem ist der Verkehr das geordnete Chaos, das auf eine erstaunliche Art und Weise überzeugend gut funktioniert. Spontanität ist auf Vietnams Straßen jedenfalls der Schlüssel zum Erfolg.

Erste Anlaufstation der Moped-Tour ist

der One Plus Beer Club, eine Rooftop-Bar auf einem der Wolkenkratzer, von dem man den Sonnenuntergang genießen kann
und zugleich die beste Sicht auf die Skyline von Ho-Chi-Minh-Stadt hat, bevor man
sich in das vielschichtige Nachtleben stürzt. Von dort geht es weiter in diverse Lokale,
in denen die traditionelle vietnamesische Küche zelebriert wird.

Die Tour-Guides haben erkannt, dass die meisten Touristen nicht auf die klassischen Touristen-Hotspots stehen, weshalb man für den Ausflug auf der Vintage-Vespa die
beliebtesten Streetfood-Läden der Einhei-mischen gewählt hat. Ausklang findet der Abend in einer der vielen vietnamesischen Bars.

Die Ader Vietnams

Wer den Süden Vietnams bereist, kommt auch am Mekong Delta, der Lebensgrundlage vieler Vietnamesen, nicht vorbei. Bei einer Boots-tour durch die Mangrovensümpfe verkostet man tropische Früchte und erhascht einen Einblick in die Verarbeitung der dort angebauten Nahrungsmittel. Pro Jahr werden allein hier rund 16 Mio. Tonnen Reis geerntet und in die ganze Welt verschifft. Neben diesen unvorstellbaren Mengen zeigt man den Touristen vor allem das Leben der traditionellen Bauern und wird dabei auf kleinen Zillen durch die sumpfigen Mangrovenwälder geführt. Ein tropischer Regenschauer gehört quasi zum Programm, weshalb man den Regenschutz zur Sicherheit immer dabei haben sollte. So schnell der Regen kam, so schnell war er auch wieder weg. Das Klima ist im Süden zwar heiß und feucht, aber über das ganze Jahr stabil und bei einem Jahresschnitt von rund 30 Grad relativ angenehm.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem traveller – FACHBRUNO
Autor: Matthias Stelzmüller

Chapter TWO

Wichtige Informationen

Beste Reisezeit: Ganzjährig, im Norden kann es in den Wintermonaten recht kühl werden; Sommermonate: Mai bis Oktober sind heiß und feucht, Regenzeit
Visa: Für Österreicher verpflichtend – mehrere Wochen vor Abreise bei der vietnamesischen Botschaft beantragen
Zeitzone: MEZ + 7 Stunden
Währung: Vietnamesischer Dong (VND) 1 Euro = 27.107,5974 Dong
Reiseadapter nicht vergessen
Informationen zu Vietnam Airlines per E-Mail an: vietnamaustria@aviareps.com

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