„Borghi piu belli d’ Italia“

„Borghi piu belli d’ Italia“

Zugegeben, ich mag’s im Urlaub gerne laut, bunt und lustig. Aber ich mag’s immer öfter auch still, authentisch, traditionell und bin auf Reisen und im Urlaub auch gerne den Menschen, die in meinen Urlaubszielen leben, nahe. Weil das echte Leben, abseits des touristischen Mainstreams, das Leben am Land, bietet viele spannende Momente, die aus einem „einfachen“ Urlaub ein ganz spezielles und unvergessliches Erlebnis machen. Wie geht es den Menschen in den Dörfern, die auch heute noch - vom Tourismus weitgehend „verschont“ - so leben wie es ihre Vorfahren taten?

Aber so einfach ist das gar nicht mit dem hinter die touristischen Kulissen blicken. Auch ich hatte anfangs damit einige Schwierigkeiten, als ich das unbekanntere Italien entdecken durfte. Weil man halt doch auch ein „Reise-Gewohnheitstier“ ist, und weil sich gerade in Bella Italia unzählige berühmte Badeorte mit tollen Stränden wie Perlen auf einer Kette aneinanderreihen. Und wo das Urlaubsleben ganz schön lustig, bunt und laut ist. Dabei gibt es gerade in Italien noch sehr viel Unberührtes, und genau dieses verschlafene und authentische Italien konnte ich ein wenig näher kennenlernen. Denn gerade in vielen kleinen Dörfchen, die, wenn überhaupt dann nur als winzige Punkte auf der Landkarte ausgewiesen und somit nicht auf jedermanns Reiseradar, findet man noch sehr viel des echten „dolce vitas“. Italien erkennt gerade das Potenzial dieser Dörfer, will sie aber vor Massentourismus schützen. Daher hat man den Club der „Borghi piu belli d’ Italia“ gegründet, also den Club der „schönsten Dörfer Italiens“. Der fördert nicht nur den Tourismus der kleinen Regionen, sondern setzt sich auch für die Bewahrung und Restaurierung der historischen Gebäude und Denkmäler der Städtchen ein. Insgesamt 271 „Borghi“ umfasst dieser Zusammenschluss und ich hatte das Glück, das eine oder andere zu besuchen.

Dolce vita in Cefalú

Authentischer, als bei einer Gastfamilie zu wohnen, geht wohl nicht. In meinem letzten Schuljahr veranstaltete unser Italienisch-Lehrer einen Sprachkurs – das Ziel: Cefalú in Sizilien. Berühmt durch die Kathedralen und den mächtigen Dom aus dem 12. Jahrhundert, war meiner Klasse und mir das Örtchen trotzdem kein Begriff. Wie das bei Sprachreisen so ist, wurden wir in Gastfamilien untergebracht – und das war das Beste, was mir auf einer Urlaubsreise bis dato passiert ist. Unsere Familie war nicht nur unglaublich freundlich, sondern versprühte geradezu das pure italienische Leben. Meine Freundin und ich tauchten total in ihre Welt ein: Wir gingen mit auf den Markt einkaufen, in die Kirche und spazierten durch das verträumte Städtchen. Nach einer Woche fühlte ich mich dermaßen daheim, dass ich mich selbst schon als „echte“ Italienerin sah. Cefalú besitzt einen ganz eigenen Charme und fasziniert mit seiner besonderen Lage am Fuße eines 270 Meter hohen Kalkfelsens, dem „Rocca di Cefalú“. Und dann erst der Strand, der verträumter nicht sein kann, viele Maler inspiriert(e) und auch mich total in seinen Bann zog. Entspannen lässt es sich auch herrlich in einer der Pizzerien oder Cafés in der Innenstadt, bei einem oder zwei Espressi, die warme Sonne im Gesicht und in Gedanken ganz weit weg vom Alltag zu Hause. Grandios auch die lokale Küche, der pure Geschmack Italiens am Gaumen macht fast „süchtig“, was sich bei mir in ein paar Kilos mehr auf meinen Hüften – nach bloß einer Woche hier in Cefalú – niederschlug. Aber darüber reden wir jetzt nicht, weil’s einfach viel zu gut und viel zu köstlich war. Probieren Sie’s aus, Cefalú freut sich auf Sie!

Einzigartiges Feeling in Castelsardo

Weiter nördlich auf Sardinien liegt der 5.000 Einwohner zählende Küstenort Castelsardo. Gemeinsam mit meiner Familie besuchte ich dieses kleine Städtchen und fühlte mich sofort ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Denn hoch über dem Meer liegt das Herzstück der Stadt – die mittelalterliche Festung und die malerische Altstadt, die sich mit steilen Treppen, engen Gassen und hübschen Häusern unterhalb des Kastells an die Felshänge schmiegt. Hier kommt man aus dem Staunen nicht heraus, meine Digicam war ob der vielen tollen Motive im Dauereinsatz. Was sich alsbald in einem ziemlich kraftlosen Akku und einer vollen Speicherkarte zeigte.
Tipp: Unbedingt eine ausreichend große Speicherkarte und einen Reserveakku mitnehmen, damit es Ihnen nicht so geht wie mir.
Die vielen bunten Häuserfassaden als kecke Farbtupfer in der Landschaft bilden einen wunderschönen Kontrast zum grauen Stein der mittelalterlichen Festung. Bei Nacht wird der ganze Ort in goldgelbes Licht getaucht, während die letzten Sonnenstrahlen im Meer verschwinden und Ruhe einkehrt. Und dieser grandiose Ort, mit sanftem Meeresrauschen und leisem Zirpen der Grillen als musikalische Untermalung, nimmt einen einfach gefangen. Bei einem Spazieren durch die kleinen stillen Gässchen überkommt einen ein wunderbar friedliches Gefühl und man ist einfach nur glücklich. Für mich sind das unvergessliche Momente. Ich glaube, ich muss bald wieder nach Castelsardo kommen.

Piani per il futuro

Meine Reisepläne für die Zukunft? Definitiv mehr „Borghi“ in Italien entdecken, obwohl ich wohl kaum alle 271 schaffen werde, aber wer weiß. In jedem Fall eine Herausforderung, der ich mich mit Liebe und Freude stellen würde. Ein paar weitere für den nächsten Urlaub hab ich mir schon jetzt herausgesucht … Die Toskana steht schon lange ganz weit oben auf meiner „Bucket List“, diesen fantastischen italienischen Landstrich mit seiner köstlichen Kulinarik ist einfach ein Must Do für mich. Und in Pitigliano fange ich an. Eingebettet in eine wildromantische Landschaft, thront das kleine Städtchen auf einem Tuffsteinfelsen und blickt auf eine mehr als 3.000 Jahre alte Geschichte zurück. Bereits die Etrusker bearbeiteten die Tuffsteinwände und schufen viele Grotten, die heute noch als Weinkeller dienen. Kluge Köpfe, die alten Etrusker und für eine Hobby-Archäologin und vor allem Weinliebhaberin wie ich eine bin, die perfekte Kombination. Auch das kleine Örtchen Montemerano, im Herzen der südlichen Toskana gelegen, entführt den Besucher mit imposanten Stadtmauern und dem einzigartigen Hauptplatz in längst vergangene Zeiten. Damit ist klar, auch dort muss ich unbedingt hin!
Dann wäre da noch Castelmezzano inmitten der Lukanischen Dolomiten in der süditalienischen Basilikata, das sich wie ein Nest an einen Felsen schmiegt und den Wanderfreund in mir lockt. Auch vom „Engelsflug“ – dem Volo dell´Angelo – der die Dörfer Castelmezzano und Pietrapertosa mittels Seilbahn verbindet, hab ich schon viel gehört. Eh klar, auch diese zwei Schätze stehen auf meiner to-do-Liste. Für Feinschmecker bietet sich das kleine Trevi in Umbrien – vor allem für sein hochwertiges Olivenöl bekannt – an. Den besten Wein in Italien – so sagt man – findet man in Neive im Piemont. Malerisch in den Weinbergen zwischen Langhe und Monferrato gelegen, gibt’s hier den berühmten „Barbaresco. Einen sehr edlen roten Tropfen, den es zu verkosten gilt.
Neive, Borghi und Italien, ich komme …

Weitere Informationen

Weiterführende Informationen rund um die lange Liste der Borghis und zum Club „Die Schönsten Dörfer Italiens“ mit vielen Tipps finden Sie unter www.borghipiubelliditalia.it sowie unter www.viaggio-italiano.it. Unter www.enit.at und www.italia.it finden sich allgemeine Auskünfte zum Reiseland Italien

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