Franz Josef Land

Franz Josef Land

Nur sehr selten besucht und schwer erreichbar: Franz-Josef-Land. Dabei ist der geheimnisvolle Archipel, knapp am 82.Grad, einer der wichtigsten Plätze in der Polargeschichte, Eisbären und Walrosse fühlen sich hier genauso wohl!

Die außergewöhnliche Expeditionskreuzfahrt mit der Sea Spirit ist so einzigartig und authentisch wie die arktischen Inseln selbst: 191 Inseln (ca. 16.135 qkm) im Nordpolarmeer, gerade einmal 900 Kilometer vom Nordpol entfernt! Es ist eines der entlegensten Gebiete der Erde. Mehr als 80 % der Inselfläche sind von Gletschern bedeckt, nur in einer Hochsommerphase sind Touren mit einem Expeditionsschiff möglich. Als einzige Reederei erhält Poseidon Expeditions mit ihrer eistauglichen Sea Spirit dreimal jährlich eine Sondergenehmigung zum direkten Anlaufen des Franz Josef Land Archipels ab Spitzbergen. Damit spart man sich den doppelt so langen Anreiseweg ab Murmansk, hat mit Start im norwegischen Spitzbergen sofort eine attraktive Route nordwärts. Gründe genug, um 145 Jahre nach der österreichischen Entdeckung durch Payer und Weyprecht im August 2018 auf eine arktische Entdeckungsreise zu gehen.

Abenteuer Expeditionskreuzfahrt

Für die nächsten 14 Tage ist die moderne und komfortable Sea Spirit unser bequemes Zuhause – ein packeistaugliches, robustes Schiff für die arktische Expeditionskreuzfahrt.
Mit zehn bordeigenen Zodiacs geht es auf Entdeckungsfahrten zu Landgängen oder Tierbeobachtungen am „arktischen Ende der Welt“. Begleitet werden die Touren von einem renommierten Lektorenteam, das in Vorträgen auf Landgänge vorbereitet. Und an Bord sorgen ein Restaurant mit hervorragender Küche, eine Bar und Lounge, eine gut bestückte Bibliothek und ein Vortragsraum für ein komfortables Bordleben. Übrigens: Anders als bei den Megakreuzern ist der Zugang zur Brücke fast immer erlaubt, Fachsimpeln mit dem Kapitän, Fragen an Expeditionsleiter und Lektoren sind erwünscht. In den nautisch anspruchsvollen Gewässern des Archipels muss unser Kapitän aufgrund der Witterung immer wieder mit Kursänderungen reagieren, nach seinem Motto: „Kein Tag ist wie der andere“. Flexibilität ist angesagt. Die Durchschnittstemperaturen liegen im August und anfangs September rund um null bis zwei Grad.

Leinen los!

Ich fühle mich wie Weyprecht auf Entdeckungsreise, als die Sea Spirit vom Hafen in Longyearbyen in den mehr als 100 km langen Isfjord (Eisfjord) ausläuft. In Safety Talks wird Sicherheit vorgelebt, zudem „Schiffslatein“ vermittelt. Nach dem Abendessen stehen wir an Deck und auf der Brücke, begleiten die Fahrt entlang der Westküste in den Norden. Einsame Sandstrände und kleine, tiefgrüne Tundraflecken begeistern, dahinter wachsen weiße Bergpyramiden und Gletscher in den Himmel. Und dann noch die Mitternachtssonne – Fotografen sind in ihrem Dreamland …

Arktis für Entdecker

Die abgelegene Wildnis des Franz Josef Land Archipels mit seinen grandiosen Gletscherszenarien wurde am 30. August 1873 von der denkwürdigen österreichischen Payer & Weyprecht Expedition mit ihrem Expeditionsschiff Admiral Tegetthoff gesichtet, erkundet und großteils kartographiert. Der Beginn einer wilden Forschungsphase: So landete im September 1895 der berühmte Fridtjof Nansen mit seinem Partner auf dem Rückweg von der missglückten Nordpolexpedition auf Jackson Island am Kap Norwegia und hat in einem selbstgebauten Unterschlupf den arktischen Winter überlebt. Zur Zeit der großen arktischen Entdeckungsreisen waren vermutlich häufiger Menschen auf dem Archipel anzutreffen als heute. In den 1920er Jahren verleibte sich die Sowjetunion die Region aus strategischen Gründen ein. Heute gehört Franz Josef Land zu Russland. Der Archipel behielt seinen ursprünglichen Namen, wurde zum Nationalpark Russische Arktis erklärt. Und gilt auch im 21. Jhdt. als kaum erforscht. Die Sea Spirit folgt auf dem Seeweg und bei Landgängen den Spuren der historischen Entdeckungsfahrten.

Eisbären in Sicht

Unser Kapitän steuert Prince George Land an, im fünf Minuten Takt wechselt das Wetter von Regen zu gleißendem Sonnenschein – grandioses Regenbogenwetter. Längst sind wir in eine andere Welt eingetaucht – still und unendlich. Walrosse, Robben und Vögel bewohnen diese lebensfeindliche Region – und der König der Arktis. Wir haben Glück, dürfen sehr bald einen Eisbären am Ufer fotogen in seinem Revier beobachten. Im Inselarchipel herrschen durch riesige Eisschollen samt Landzugang ideale Lebens- und Jagdbedingungen, die Population an Eisbären ist beachtlich. Aber die Klimabombe tickt! Der Rückzug des sommerlichen Packeises bedeutet erschwerte Überlebensbedingungen für Eisbären – schwierigeres Jagen, längere Schwimmstrecken und lange Hungerperioden im Sommer (lt. Forschungsberichten können Eisbären bis zu 200 Tage hungern).

Golfplatz in der Arktis

Überall Steinkugeln, von einem Zentimeter Durchmesser bis zu zwei Meter große Riesenmurmeln! Die Anlandung auf Champ Island mit den geheimnisvollen Steinkugeln ist eine Reise in die Wunderwelt der Geologie – oder sind es doch die „Spielbälle des Teufels“? Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – schaut irgendwie aus wie ein überdimensionaler Golfplatz mitten in einer herben Steinwildnis. Genauso spektakulär wird es nachmittags auf Hall Island beim Kap Tegetthoff auf den Spuren der Österreichisch-Ungarischen Nordpolexpedition. Sehr beeindruckend die riesigen Felsnadeln, die wie Haiflossen in die Höhe ragen. Kap Tegetthoff war das erste Land, welches die Payer & Weyprecht Expedition nach langer Zeit auf See am 30.08.1873 sichtete.
Ein Eisbär verhindert zwar ein Anlanden und Wanderungen – vor jedem Landgang wird das Areal akribisch von einem eigenen Rangerteam gescoutet und erst danach freigegeben – aber wir genießen in den Zodiacs grandiose Lichtstimmungen, riesige blau schimmernde Eisberge und die Mystik dieses historischen Platzes. Dazu passt abends in der Lounge der packende Film über die Österreichisch-Ungarische Expedition perfekt.

Next stop: Hooker Island

Ein Tag der Superlative wartet. Frühmorgens zu einer Walrosskolonie, danach zum berühmten Rubini Rock – einem der mächtigsten Vogelfelsen der Arktis. Dort nisten und lärmen zehntausende Vögel in den gewaltigen Basaltwänden. Im Blickfang des Rocks paddle ich mit dem Seakayak durch ein Meer treibender Eisschollen und Eisberge – unvergesslich. Und nach einem herzhaften Mittagessen an Bord wartet der Nachmittagslandgang zur alten russischen Forschungsstation Tikhaya.
Während der kurzen Sommermonate ist die Station besetzt, sogar ein Postamt samt Ansichtskarten gibt es hier. Eine urige Sauna, historische Gebäude, verrostende Bagger – und mitten in der Ortschaft ein jagender Polarfuchs.

Good bye Franz Josef Land

Längst bin ich vom Nordlandvirus befallen. Die Einsamkeit, das Licht, die Gewalt der Natur, die Anlandungen und Spaziergänge durch die arktische Wildnis – aber auch das familiäre Bordleben auf der Sea Spirit passen perfekt. Dazu gehört auch das liebevoll zubereitete Open Air Barbecue Abendessen an Bord. Arktis macht süchtig! Wehmut kommt auf, als die Sea Spirit die letzten Tafelberge von Franz Josef Land hinter sich lässt und Kurs auf Svalbard nimmt. Noch einmal erleben wir das Spektakel der Mitternachtssonne, im kleinen Whirlpool sitzend.
Noch einmal sind wir den Urgewalten der Barentssee ausgesetzt – eine wirklich coole Tour!

Autor Sepp Puchinger

Wichtige Information

POSEIDON EXPEDITIONS erhält als einzige Reederei für das Expeditions-Kreuzfahrtschiff Sea Spirit zu drei Terminen – 20. Juli, 1. Aug und 13 .Aug. 2019 – eine Sondergenehmigung zum direkten Anlauf des Franz Josef Archipels. Reisen zum nördlichsten Landpunkt Europas stehen grundsätzlich unter strengen Reglementierungen, durch die Sondergenehmigungen erhalten Reisende vier Tage zusätzlich im bisher noch kaum erforschten Naturreservat. Ab/bis Longyearbyen auf Spitzbergen geht es auf drei 14 tägigen Routen zu mindestens acht weiteren Inseln in der großteils unberührten Region. So auch zu den geheimnisvollen Steinkugeln auf der Champ Insel und zu Orten, die die Pionierzeit der Arktis–Expeditionen dokumentieren. Auf der kleinen Sea Spirit erkunden max. 116 Passagiere mit zehn bordeigenen Zodiacs nicht nur entlegene Buchten, sondern starten zu Exkursionen mit Kayaks oder erlernen das Fotografieren in arktischen Regionen.
Weitere Ziele: Arktische Gewässer mit Spitzbergen, Grönland, Island
auf der Südhalbkugel: Antarktis, Falkland Inseln und Südgeorgien
www.poseidonexpeditions.de

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