ARIZONA

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Der Grand Canyon Nationalpark im US-Bundesstaat Arizona feiert heuer seinen 100. Geburtstag. Es ist einer jener Plätze auf der Welt, die man einmal im Leben gesehen haben muss. Wir waren mit einem Campervan auf Roadtrip unterwegs, um dieses – und viele andere Naturwunder Arizonas – zu erkunden. Ich werde scheitern. Es wird mir einfach nicht gelingen. Die unfassbaren Dimensionen und die Dramatik des Grand Canyon in Worte zu fassen, ist tatsächlich unmöglich. Egal wie viele Fotos man gesehen und wie viele Texte man gelesen hat – dieses Naturwunder kann man erst begreifen, wenn man selbst davorsteht. Den Fakten nach ist es einfach eine 446 Kilometer lange, bis zu 1,8 Kilometer tiefe und bis zu 30 Kilometer breite Schlucht. Doch wenn der Grand Canyon mit seiner ganzen Wucht vor einem liegt, ist es einer der atemberaubendsten Orte dieser Welt.

Roadtrip im Campervan

Auf unserem Trip zu den Naturwundern Arizonas wollen wir der Natur ganz besonders nahe sein, also werden wir den Großteil der Reise in unserem Campervan verbringen. Ein umgebauter Ford Transit im coolen Graffiti-Design ist für zwei Wochen unser kleines Zuhause. Ein gemütliches Doppelbett, ein Mini-Kühlschrank und zwei Gasherdplatten sind alles, was wir zum Glücklichsein „on the Road“ brauchen. Der Vorteil im Vergleich zu den riesigen Wohnmobilen der Amis: Unser kompakter Van passt auch auf die kleinen Campingplätze, die sonst nur für Zeltübernachtungen geeignet sind.

Ein versteinerter Wald

Nach einem Großeinkauf im Supermarkt ist der Kühlschrank bis obenhin voll mit Proviant. Es kann also losgehen, von der Hauptstadt Phoenix aus startet unser Roadtrip. Die Route führt uns jedoch nicht auf direktem Wege zum Grand Canyon, wir wollen zunächst die weniger bekannten Naturwunder Arizonas kennenlernen, wie etwa den Petrified Forest Nationalpark. Was zunächst wie eine öde Wüste wirkt, entpuppt sich schnell als Paradies für bizarre Fotomotive. Denn hier befinden sich die Überreste eines riesigen, prähistorischen Waldes in Form von versteinertem Holz. Zum Teil sind es riesige Baumstämme, die im Laufe der Jahrtausende zu Quarz umgewandelt wurden, und die heute in der Sonne schillern und funkeln. Ebenso Instagram-geeignet ist die sogenannte Painted Desert, die sich auch auf dem Gebiet des Nationalparks befindet. Die übereinander liegenden Gesteinsschichten dieser Mondlandschaft scheinen wie mit dem Lineal gezogen: Kräftiges Violett, strahlendes Weiß, sattes Gelb und dunkles Grau.

Yá’át’ééh

Tief in die Vergangenheit Nordamerikas tauchen wir auch an unserer nächsten Station ein, dem Canyon de Chelly. Er besteht aus drei Canyons mit einer Gesamtlänge von fast 90 Kilometern und liegt im Gebiet des Navajo-Stammes, dem zweitgrößten der indianischen Völker in den Vereinigten Staaten. Unser Guide für die halbtägige Jeeptour begrüßt uns mit einem freundlichen Yá’át’ééh – einem Hallo in der Sprache der Navajos. Seine Geschichten über den Canyon de Chelly, die seine Familie von Generation zu Generation weitergibt, klingen wie Stimmen aus der Vergangenheit. Bereits seit rund 5.000 Jahren leben hier Menschen, zahlreiche Felsmalereien und Häuserruinen in den Felsnischen sind Zeugen dieser vergangenen Epochen.

Filmkulisse

Nicht einmal zwei Autostunden entfernt liegt wohl eine der berühmtesten Kulissen für Wild-West-Filme und Werbespots: Das Monument Valley. Hier ist John Wayne ebenso schon geritten wie der Marlboro-Man. Wind, Regen und die starken Temperaturunterschiede haben die markanten, roten Felstürme in den letzten 50 Millionen Jahren geformt. Die meisten Touristen erkunden Monument Valley mit dem Auto, aber besonders stimmungsvoll und intensiv erlebt man dieses Naturwunder zu Fuß. Der Wildcat Trail führt um einen der drei bekanntesten Felstürme herum, den sogenannten West Mitten Butte. Vor allem zu Sonnenuntergang bietet er unzählige perfekte Fotomotive, und man fühlt sich dabei wie mitten im einem Western. Weitere zwei Stunden entfernt erwartet uns mit dem Antelope Canyon schon das nächste Highlight. Es handelt sich dabei um einen Slot Canyon, der nur zu Fuß erkundet werden kann und an manchen Stellen so eng ist, dass die Besucher gerade noch hindurchpassen. Die vom Wasser glattgeschliffenen Wände und das magische Farbenspiel machen den Canyon zu einem er schönsten und fotogensten Naturattraktionen im Westen der USA. Nach einem kurzen Abstecher zum Horseshoe Bend, der wohl berühmtesten Schlinge des Colorado Rivers, führt uns unser Roadtrip schließlich zum krönenden Abschluss.

Ein Weltwunder

Millionen Jahre hat der Colorado River gebraucht, um den Grand Canyon ins Gestein zu graben. Im Jahr 1919 wurde schließlich ein Großteil als Nationalpark unter besonderen Schutz gestellt. Mit Hotels, Campingplätzen und Geschäften ist der South Rim touristisch am besten erschlossen. Dementsprechend wird es in der Hauptsaison ganz schön voll. Am North Rim ist es hingegen deutlich ruhiger, hier gibt es nur eine einzige Unterkunft – die ideale Gegend für alle, die Einsamkeit lieben. Der Westrand (West Rim) wiederum liegt im Stammesgebiet des Hualapai Reservats, hier befinden sich der gigantische Grand Canyon Skywalk: Eine Rundbrücke aus Stahl und Glas, die sich 1.200 Meter über dem Grund des Grand Canyon befindet und ca. 20 Meter über den Abgrund hinausragt. Zudem hat man hier auch die einmalige Möglichkeit, mit dem Helikopter in den Canyon hinein zu fliegen – um dann aufs Boot umzusteigen und den Colorado River zu erkunden. Die schönsten Wanderwege, von einfach bis sehr anspruchsvoll, findet man am South- und North Rim. Ganz wichtig ist hier die richtige Vorbereitung mitsamt richtiger Ausrüstung. Nur dann kann man das Weltwunder Grand Canyon auch wirklich in vollen Zügen, intensiv und genussvoll erleben.

Jubiläumsjahr

Am 26. Februar 2019 wird die Gründung des Grand Canyon Nationalparks vor 100 Jahren gefeiert und ein Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen eingeläutet. Das Highlight für Sterngucker steht von 22. bis 29. Juni 2019 an, wenn der Grand Canyon bei der Star Party zur Sternwarte unter freiem Himmel wird. Hobbyastronomen und natürlich all jene, die Lust am Sterne-Beobachten haben, sind eingeladen. Die Besucher werden atemberaubende Eindrücke vom Nachthimmel erhalten, der durch den Blick ins Teleskop zum Greifen nahe erscheint. Der Canyon ist mit seinem tiefdunklen Himmel und der sauberen Luft einer der besten Beobachtungsstandorte für Himmelsphänomene in den USA. Vivian Gergova

Alle Infos laufend auf

www.nps.gov/grca/getinvolved/centennial.htm

Tipp

Wer mit einem Campervan oder dem Wohnmobil auf Roadtrip durch Arizona unterwegs ist, sollte bei den Campingplätzen unbedingt vorab reservieren. Viele tolle Locations sind staatlich betrieben und daher auch recht preisgünstig. Wichtige Links für Online-Buchungen: www.recreation.gov , www.reserveamerica.com und www.azstateparks.com/reserve/ Mather Campground Dieser besonders schöne Campingplatz befindet sich am südlichen Rand des Grand Canyon National Parks. Malerische Aussichtspunkte, ein kostenloser Shuttlebus sowie zahlreiche Wanderwege in unmittelbarer Nähe: Ab ca. 18 Euro/Nacht;
www.grandcanyonwest.com/hualapai-ranch.htm
Die historische Thunderbird Lodge ist das einzige Hotel im Canyon de Chelly und begrüßt die Gäste mit authentischem Charme und Komfort. Ab ca. 90 Euro/Nacht. Hier können auch diverse Touren durch den Canyon gebucht werden, ob im Jeep oder mit dem Pferd; www.thunderbirdlodge.com

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